Abgeflaute Lust auf Schnäppchen: Beim seit lange schwächelnden Online-Schnäppchenportal Groupon muss Mitgründer und Firmenchef Andrew Mason nach enttäuschenden Quartalszahlen seinen Hut nehmen. Zuvor war die Aktie bis Börsenschluss um 24 Prozent gefallen.

«Ich wurde heute gefeuert», schrieb Mason seinen Mitarbeitern. Groupon ist nun auf der Suche nach einem neuen Konzernchef, wie das Unternehmen am Sitz in Chicago mitteilte. Übergangsweise übernehmen Mitgründer und Verwaltungsratschef Eric Lefkofsky sowie sein Stellvertreter Ted Leonsis das Kommando.

Der Abgang Masons kommt nicht überraschend, am wenigsten wohl für ihn selbst. Immer wieder war seine Ablösung von Kritikern gefordert worden. Sie sprachen ihm die Fähigkeit ab, ein solch grosses Unternehmen zu führen. «Ihr vollbringt erstaunliche Dinge bei Groupon und Ihr verdient es, dass die Aussenwelt Euch eine zweite Chance gibt», schrieb Mason seinen Mitarbeitern in gleichsam ironischen wie nachdenklichen Zeilen, die von US-Medien in voller Länge veröffentlicht wurden.

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«Ich liebe Groupon und ich bin verdammt stolz auf das, was ich geschaffen habe», fuhr Mason fort. Es sei nun aber Zeit, Groupon von dem öffentlichen Getöse zu befreien. «Als Konzernchef bin ich verantwortlich.» Er kündigte an, eine Auszeit zu nehmen.

Schnell sinkender Stern am Börsenhimmel

Nach Bekanntwerden des Mason-Abgangs erholte sich die Aktie nachbörslich wieder um 5 Prozent auf 4,73 Dollar. Das ist aber immer noch weit von den 20 Dollar entfernt, die das Papier beim Börsengang im November 2011 gekostet hatte. Damals galt Groupon noch als Wegbereiter aufs Parkett für andere Internetfirmen, besonders für Facebook. Der Stern von Groupon an der Börse sank aber rasch.

Am Mittwoch hatte Groupon schliesslich enttäuschende Geschäftszahlen vorgelegt: Demnach machte das Unternehmen 2012 unter dem Strich einen Verlust von 67 Millionen Dollar und erwartet für 2013 ein langsameres Umsatzwachstum.

Anleger zweifeln an Geschäftsmodell

Das 2008 gegründete Portal Groupon hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 200 Millionen Nutzer. Firmen und Geschäfte können über das Portal ihre Produkte und Dienstleistungen günstiger anbieten. Oft ist Bedingung, dass eine bestimmte Mindestzahl von Nutzern das Angebot annimmt.

Groupon erhält beim Kauf durch die Kunden einen Teil der Einnahmen. Dem stehen jedoch hohe Kosten für die Verwaltung sowie die Vermarktung gegenüber. Das hatte immer wieder zu Verlusten bei Groupon geführt.

Schon länger zweifeln Anleger daran, dass das Geschäftsmodell von Groupon überhaupt auf Dauer funktionieren kann. Einige Konkurrenten haben bereits die Segel gestrichen. Amazon schrieb fast seine gesamte Investition in den Groupon-Rivalen LivingSocial ab. Groupon hatte Medienberichten zufolge Ende 2010 eine milliardenschwere Übernahme durch den Internetkonzern Google abgelehnt. Dieser hat mit Google Offers in den USA nun inzwischen selbst ein Gutscheinportal an den Start gebracht.

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(chb/muv/sda)