Kurzfristig scheint es sich für Clariant-Chef Jan Secher nicht ausbezahlt zu haben, dass er Mitte Juni zwei der vier Divisionsleiterposten neu besetzte. Die Ergebnisse des 1. Halbjahres enttäuschten sowohl die Analysten als auch die Anleger. Chemieexperte Damien Weyermann von der Bank Vontobel rechnet zwar damit, dass die Rentabilität im 2. Semester zunehmen wird. Doch 2007 werde ganz klar ein «Übergangsjahr». Und der vom Baselbieter Spezialitätenchemie-Unternehmen in Aussicht gestellte Turnaround braucht Zeit.

Vor allem die schwachen Margen führten dazu, dass der Aktienkurs seit dem Tag der Veröffentlichung der Zahlen am 2. August 2007 um über 7% auf zuletzt rund 17 Fr. abgegeben hat. Damit steht der Kurs wieder auf dem Niveau von Anfang Jahr und hat die zwischenzeitlichen Höhenflüge auf teilweise fast 22 Fr. wieder abgegeben. Was neuen Investoren eine gute Einstiegschance bietet: Denn entweder kann CEO Jan Secher die ambitiöse Strategie «Clariant 2010» tatsächlich umsetzen – oder der Konzern wird doch noch durch einen Konkurrenten übernommen.

Gute Einstiegschance

So hat das US-Chemieunternehmen Huntsman bereits Interesse an Clariant signalisiert. Und Anfang Juni sagte Axel Heitmann, CEO der deutschen Chemiefirma Lanxess, dass Clariant momentan zu teuer sei (damals betrug der Aktienkurs gut 21 Fr.). Er sagte aber nicht, dass die geprüfte Akquisition damit komplett gescheitert sei. Der Clariant-Aktienkurs dürfte deshalb auch weiterhin spekulativ beeinflusst werden – mit entsprechend guten Chancen auf Kursgewinne für die Investoren.
Am 16. August wird Sechers Kollege Armin Meyer die Zahlen für das 1. Halbjahr 2007 von Ciba vorlegen. Gleichzeitig wird der CEO und Verwaltungsratspräsident des Basler Chemieunternehmens dann die letzte Medien- und Analystenkonferenz in seiner Doppelfunktion abhalten. Ab Januar 2008 wird er sich auf das VR-Präsidium konzentrieren; seine Nachfolge als CEO der Ciba tritt der bisherige Chief Operating Officer Brendan Cummins an.
Auch die Ciba-Zahlen werden von den hohen Rohstoffpreisen geprägt sein. Das Unternehmen hat im 1. Semester aber immerhin einige Preiserhöhungen kommunizieren können. Gleichzeitig werden die Informationen über die Fortschritte beim nicht genügend profitablen Wasser- und Papiergeschäft auf Interesse stossen. Dies wird gleichzeitig eine erste Bewährungsprobe für den neuen Leiter dieser Division, James McCummiskey. Hilfreich wäre es für die Investoren, wenn das Unternehmen seine generelle Prognose für 2007 etwas konkretisieren könnte.

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Aktie von Ciba wenig beliebt

Wie Clariant will auch Ciba unabhängig bleiben. Experten bezweifeln aber, ob der Konzern dies schaffen wird. Die 21 auf dem Nachrichtenportal Bloomberg verzeichneten Ciba-Analysten stufen die Aktie denn auch mehrheitlich mit «Halten» und «Verkaufen» ein. Nur drei empfehlen einen Kauf. Der Kurs des Titels hat seit der Kotierung im Jahre 1998 über 50% an Wert verloren und steht aktuell bei leicht über 70 Fr.