Die Konkurrenz von Ciba und Clariant macht sich in der Nachbarschaft breit. Der deutsche Chemiekonzern Lanxess (Umsatz: 719 Mio Euro) koordiniert von der Schweiz aus sein derzeit grösstes Investitionsprojekt ? eine Butylkautschuk-Anlage in Singapur für 400 Mio Euro. In Granges-Paccot FR ist der globale Hauptsitz des Kautschuk-Geschäftsbereichs von Lanxess angesiedelt. 50 der weltweit 16500 Mitarbeiter arbeiten in der Schweiz. CEO Axel Claus Heitmann kündigt aber einen Ausbau der Aktivitäten an (siehe «Nachgefragt»).

Lanxess ist nicht das einzige global tätige Chemieunternehmen, das die Schweiz als Standort entdeckt hat. Auch der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer (Umsatz: über 32 Mrd Euro) steuert von Basel aus das Europageschäft mit Diabetes-Care-Produkten. Und im schweiz. Freiburg sitzt die Tochtergesellschaft Bayer International, deren 73 Mitarbeiter die Vermarktung der Chemieprodukte in Osteuropa, Afrika und im Nahen und Mittleren Osten verantworten. Insgesamt beschäftigt Bayer in der Schweiz 760 von weltweit 106200 Angestellten. Der Hauptsitz von Bayer Schweiz ist in Zürich.

DuPont setzt auf Genf ...

Das US-Chemieunternehmen DuPont hingegen setzt vor allem auf die Westschweiz. Von Genf aus steuern 450 Mitarbeiter die Geschäfte in Europa, Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten. In Meyrin GE beschäftigt DuPont (Umsatz: 29 Mrd Dollar) 180 Personen in seinem europäischen Forschungszentrum. Die Saatgut-Tochtergesellschaft Pioneer hat ihren Schweizer Sitz in Lugano. Insgesamt hat DuPont in der Schweiz 800 von weltweit 60000 Mitarbeitern. Laut Sprecherin Alessandra Roversi ist die Zahl der Beschäftigten in der Schweiz in den letzten Jahren gestiegen, deshalb sei kein weiterer Stellenausbau vorgesehen.Auch der US-Chemiekonzern Dow (Umsatz: 54 Mrd Dollar) hat laut Sprecher Holger Lemme in den letzten zwei Jahren rund 110 Stellen in der Schweiz geschaffen. Damit beschäftigt Dow am Hauptsitz in Horgen ZH 630 von global 46000 Angestellten. Dow koordiniert vom Zürichseeufer aus sein Europa-Geschäft, inklusive einer Forschungsabteilung.

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Nach Zukäufen im Polymer- und Textilbereich setzt die US-Chemiefirma Huntsman (Umsatz: 10 Mrd Dollar) auf die Schweiz: In Basel arbeiten 1300, in Monthey VS 400 von weltweit 13000 Mitarbeitern. Damit ist die Huntsman-Division Materials & Effects massgeblich hierzulande angesiedelt.

... und BASF auf Zug

Die deutsche BASF (Umsatz: Rund 53 Mrd Euro) beschäftigt in Wädenswil ZH über 70 von insgesamt 95000 Mitarbeitern. In Zug verantwortet BASF Intertrade einen Teil des Rohstoffhandels. Ebenso sitzen dort die Südosteuropa-Chefs der Erdgasfirma Wintershal, eines Joint Venture von BASF und Gazprom.

 

 

NACHGEFRAGT axel claus heitmann, CEO Lanxess


«Werden Schweizer Sitz ausbauen»

Wo werden Sie mit Lanxess weiter wachsen?

Axel Claus Heitmann: Primär wollen wir organisch wachsen, insbesondere in Asien, wo wir erst kürzlich bekannt gegeben haben, dass wir eine Rekordsumme von 400 Mio Euro in ein neues Chemiewerk in Singapur investieren. Aber auch in Europa und insbesondere in der Schweiz sehen wir für Lanxess sehr viel Wachstums-potenzial.

Was genau planen Sie in der Schweiz?

Heitmann: Einerseits wollen wir mit unserem Geschäft in der Schweiz selber expandieren. Da sind wir bereits gut aufgestellt und wollen neue Kunden und Marktanteile gewinnen ...

... und andererseits?

Heitmann: Anderseits werden wir im Zuge des erfreulichen Wachstums unseres internationalen Kautschuk-Geschäftes, das wir von Granges-Paccot FR aus steuern, unseren dortigen Sitz ausbauen. Wir treffen in der Schweiz auf ein sehr positives Umfeld für die Chemiebranche und auf gut ausgebildete Mitarbeitende. Das wollen wir nutzen.

Werden Sie in Freiburg neue Arbeitsplätze schaffen?

Heitmann: Ja, das wird sicher neue Arbeitsplätze geben. Wie viele das über die Zeit sein werden, können wir noch nicht sagen. Aber die Schweiz gewinnt für uns an Bedeutung. Wir werden deshalb unsere Basis hierzulande verstärken.

Planen Sie auch Akquisitionen?

Heitmann: Externes Wachstum ist ein fixer Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Bereits 2007 haben wir angekündigt, den grössten lateinamerikanischen Produzenten von synthetischem Kautschuk zu übernehmen. Der Kauf von Petroflex ist ein Musterbeispiel, wie wir uns punktuell in den bestehenden Geschäften verstärken können.

Und sonst?

Heitmann: Wir können auch Teile von grösseren Unternehmen kaufen, die sich in unserem Kontext besser entwickeln können. Wir haben genügend Mittel dazu.

Sind Sie an der Basler Spezialchemiefirma Clariant interessiert?

Heitmann: Wir äussern uns grundsätzlich nicht zu unseren Akquisitionszielen.

Immerhin ist die aktuelle Börsenbewertung von Clariant sehr tief.

Heitmann: Wir kommentieren weder unseren eigenen Börsenkurs, denn den bestimmt der Markt, noch äussern wir uns zur Bewertung von Mitbewerbern.

Führen Sie Gespräche mit Armin Meyer, dem Verwaltungsrats-präsidenten der Basler Clariant-Konkurrentin Ciba?

Heitmann: Nein, wir führen keine Gespräche mit Armin Meyer.