Unter reichen Chinesen ist ein regelrechter Skiboom ausgebrochen. Davon profitieren können auch unsere Berggebiete. In der gerade auslaufenden Wintersaison haben chinesische Gäste über 150'000 Logiernächte in den alpinen Regionen der Schweiz verbracht. Und das ist nicht nur gut für die Hotels, sondern auch ein schöner Zustupf für die Skigebiete: Gemäss dem Tourismus Monitor Schweiz fahren inzwischen rund zehn Prozent der chinesischen Wintertouristen Ski.

Den Trend erkannt hat auch Schweiz Tourismus. In Zusammenarbeit mit chinesischen Reiseveranstaltern hatte man für die aktuelle Saison neue Angebote entwickelt, um die Touristen auf die Piste zu locken. Mit vorzeigbarem Erfolg: Rund 1600 Chinesen habe man so zum Skifahren in die Schweiz gebracht, schreibt Schweiz Tourismus auf Anfrage von handelszeitung.ch. 10'000 zusätzliche Übernachtungen wurden damit generiert.

Chinesische Skilehrer angeworben

«Schweiz Tourismus hat in China sehr gezielt eine integrierte Werbekampagne lanciert», schreibt der Dachverband. Dazu gehören Aktionen über das chinesische Social-Media-Netz Sina Weibo und die eigene App «Ruìshì fēicháng huáxuě» (Switzerland Extremely Skiing). Die App wurde auf die Saison 13/14 lanciert und bislang 9000 mal runtergeladen. Chinesische Skilehrer geben darin Tipps und Infos zum Fahren und den Schweizer Skiorten.

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Für die Gäste wurden wie schon in der Vorsaison eigens chinesische Skilehrer angeworben. Denn die Touristen, die in der Schweiz fahren, stehen oft zum ersten Mal auf den Brettern. Viele Angebote von Schweiz Tourismus beinhalten deshalb einen oder zwei Schupper-Skitage, so Schweiz Tourismus.

Im Schlepptau der Olympiabewerbung

Was die Sendung «Die chinesischen Skilehrer» im Schweizer Fernsehen schon vermuten liess, ist also auch in Zahlen messbar. Das bevölkerungsreichste Land der Welt geht auf die Bretter. Das gilt nicht nur für die Alpen, sondern auch für Skifahren in China. Nie zuvor haben die chinesischen Skiresorts so viele Gäste empfangen wie in der abgelaufenen Saison.

So habe sich etwa das Wanda Changbaishan Resort in der nördlichen Provinz Jilin von 150'000 Besuchern im Vorjahr auf 240'000 Gäste in der Saison 2014/2015 gesteigert, berichtet das «Wall Street Journal». Hintergrund des Booms ist vor allem die Bewerbung von Peking für die Winterolympiade 2022. Doch der Sport gilt in China auch als cool, weil sich viele einheimische Promis zum Trend bekennen.

Ein Prozent der Bevölkerung

Im Moment ist der Spass auf der Skipiste in China noch einer kleinen Elite vorbehalten. Laut dem nationalen Skiverband fahren nur rund zehn Millionen Chinesen Ski. Das sind nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung. Doch der Verband hat grosse Ziele und will in den nächsten Jahren bis zu 300 Millionen Einwohner zu Skifahrern machen.

Skifahren scheine Golf als neue Obsession der reichen Chinesen abzulösen, so das «Wall Street Journal». In den vergangenen Jahren outeten sich gleich mehrere superreiche Techunternehmer als Ski-Enthusiasten. Xiaomi-Gründer Lei Jun ist vom rasanten Sport ebenso angetan, wie Baidu-Gründer Robin Li und Gary Wang, der Erfinder von Tudou.com.

Überwindung und Spass

Beim Skifahren gehe es darum, seine Angst zu überwinden und dabei Spass zu haben, erklärt ein Jünger der rasanten Wintersportart. Und tatsächlich wäre die Angst in China nicht ganz unbegründet. Die vielen Neulinge wagten sich zum Teil auf Pisten, die ihr skifahrerisches Können weit übersteigen, schreibt das «Wall Street Journal».

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Für Guo Guangchang, den Chef der Fosun Group sind die Gefahren indes kein Thema: «Skifahren mag riskant sein, doch eine Firma zu führen ist noch viel riskanter.»

Wichtiger Markt für Schweiz Tourismus

Die Aussichten für die Schweizer Wintersportorte bleiben damit – zumindest was die Chinesen betrifft – sehr positiv. Zwar gilt der Winter für viele weiterhin als Nebensaison. Doch mit der wachsenden Zahl von aktiven Skifahrern könnte auch ein Wandel in den Reisegewohnheiten einhergehen.

2014 betrug die Anzahl Hotelübernachtungen chinesischer Gäste in der Schweiz erstmals über eine Million. Die Zahl der Nächte, die Chinesen in Schweizer Hotels verbringen, hat sich damit seit 2005 verfünffacht. Und die Entwicklung soll weitergehen: Bis 2022 rechnet Schweiz Tourismus mit zwei Millionen Logiernächten von chinesischen Touristen. Es dürfte sich also lohnen, den aufstrebenden Skimarkt China weiter eng zu begleiten.

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