Trotz der Schuldenkrise schaut sich die China Construction Bank (CCB) im europäischen Bankensektor nach einer grossen Beteiligung oder Übernahme um. Für Zukäufe lägen 100 Milliarden Yuan (12 Milliarden Euro) bereit, sagte der Chairman der zweitgrössten chinesischen Bank, Wang Hongzhang, der «Financial Times». «Einige Banken in Europa stehen zum Verkauf. Wir schauen uns nach der richtigen Wahl um.»

Namen nannte Wang nicht. Er sagte aber, dass Grossbritannien, Deutschland und Frankreich die attraktivsten Märkte seien. Ein möglicher Zukauf müsste international angemessen aufgestellt sein.

Als mögliche Kandidaten für die Chinesen bieten sich nach Einschätzung der Zeitung Banken an, bei denen sich Staaten seit der Finanzkrise direkt beteiligt haben. So hält Grossbritannien 82 Prozent an der Royal Bank of Scotland (RBS) und rund 40 Prozent an der Lloyds Banking Group . In Deutschland ist der Staat zu einem Viertel an der Commerzbank beteiligt.

Europas Banken kein beliebtes Ziel

Der europäische Bankensektor ist angesichts der Schuldenkrise derzeit kein besonders beliebtes Ziel von Investoren. Viele Banken wie etwa die Deutsche Bank versuchen vielmehr, ihre Geschäfte auf dem Kontinent zu verkleinern und setzen stärker auf Asien und Amerika.

Analysten erwarten aber bereits seit langem, dass die an der Börse besonders wertvollen chinesischen Grossbanken stärker international mitmischen wollen. Die CCB hat sich bis dato lediglich mit 20 Prozent an der südafrikanischen Standard Bank beteiligt.

Die raren bisherigen Investitionen von Chinas Finanzbranche bei westlichen Grossbanken waren bislang auch keine Erfolgsgeschichte. So war der Staatsfonds China Investment kurz vor der Finanzkrise bei der US-Investmentbank Morgan Stanley sowie beim Finanzinvestor Blackrock eingestiegen. In der Krise verlor die China Development Bank viel Geld mit ihrem Engagement bei der britischen Grossbank Barclays.

(awp/chb/aho)

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