Die chinesischen Behörden haben die grösste Untergrundbank aller Zeiten ausgehoben. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, geht es um undurchsichtige Finanztransfers im Umfang von 410 Milliarden Yuan (über 65 Milliarden Franken). Das berichtete die Zeitung «People's Daily», das Sprachrohr der Kommunistischen Partei.

Eine seit einem Jahr laufende Untersuchung ergab, dass mehr als 300 Menschen an dem Netzwerk beteiligt waren, das über mehr als 800 Bankkonten illegale Geschäfte abwickelte. Rund hundert Beteiligte aus acht Banden müssen mit juristischer Verfolgung rechnen.

Yuan ausser Landes schleusen

Im Zentrum der Razzia in der Küstenprovinz Zhejiang standen Betreiber von in Hongkong registrierten Briefkastenfirmen. Ihre Masche war es, über verschachtelte Wege insgesamt 410 Milliarden Yuan von chinesischen Konten ausser Landes zu schleusen und in Devisen anzulegen. Insgesamt tätigten sie 1,3 Millionen illegale Transaktionen.

Auch in der Nordwest-Provinz Ningxia kamen die Ermittler einem Verdächtigen auf die Schliche, dem Subventionsbetrug mit vorgetäuschten Handelstransaktionen vorgeworfen wird. Er firmiert unter dem Namen Zhao.

Scheinfirmen in Hongkong

Er richtete den Angaben der Ermittler zufolge Scheinfirmen in Hongkong ein.
In der Grauzone jenseits des regulierten Bankensektors tummeln sich in China Versicherer, Leasingfirmen und andere Kreditgeber - darunter auch illegale. Die Führung in Peking geht seit April verschärft gegen verbotene Bankaktivitäten vor und hat dabei insbesondere Geldwäsche und gesetzeswidrige Kapitaltransfers ins Ausland ins Visier genommen. Insgesamt wurden 170 Fälle in einem Gesamtumfang von mehr als 117 Milliarden Euro ans Licht gebracht.

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Die chinesische Landeswährung Yuan ist nicht frei konvertierbar. Einzelne chinesische Bürger dürfen pro Jahr nur Yuan im Wert von rund 50'000 Franken eintauschen. Die chinesische Führung strebt jedoch an, derartige Beschränkungen aufzuheben und einen freien Zahlungsverkehr einzuführen.

Kampf gegen das Börsenbeben

China kämpft derzeit mit einer Konjunkturabkühlung. Im Sommer kam es zu einem Börsenbeben, in dessen Folge viele verunsicherte Investoren ihr Geld aus dem Reich der Mitte abzogen. Die Behörden ergriffen deshalb verschärfte Massnahmen gegen Kapitalflucht. Das Land muss befürchten, dass nach der erwarteten Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten noch weitere Gelder abfliessen, wenn Anlagen in den USA wegen steigender Renditen attraktiver werden. 

(sda/awp/reuters/me)