Wie ist Lindt & Sprüngli von der drohenden Rezession in den USA betroffen?

Ernst Tanner: Lindt und Ghirardelli sind seit über drei Jahren die zwei am schnellsten wachsenden Schokoladenmarken im gesamten nordamerikanischen Markt. Wir haben nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Gruppe ein Geschäftsmodell etabliert, das seit zehn Jahren ausserordentlich erfolgreiche Resultate generiert. Wir wachsen überdurchschnittlich. 2007 ist Lindt um 14% gewachsen, und zwar in Märkten, die stagnieren oder kaum wachsen. Ich erwarte, dass unser Geschäftsmodell nicht nur 2008, sondern langfristig erfolgreich sein wird.

Könnte eine Rezession nicht die Lust nach Schokolade dämpfen?

Tanner: Nein. Ich bin nun seit 15 Jahren in diesem Business. In Ländern, in denen die Wirtschaft nicht so gut gelaufen ist, hat dies keine Auswirkungen auf den Konsum unserer Premium-Schokolade gehabt. Wir sind der kleine Genuss, den sich jeder leisten kann.

Auf den Aktienkurs hat sich die drohende Rezession aber ausgewirkt.

Tanner: Was auf dem Aktienmarkt abgeht, kann ich nicht nachvollziehen. Wir sind ein grundsolides Unternehmen, das weltweit erfolgreich ist. Wir sind gut finanziert und haben eine Eigenkapitalbasis von 60%. Wir sind in den Sog der Panikverkäufe gekommen, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass sich dies bald wieder ändern wird.

Ungemach gibt es auch bei den Rohstoffpreisen für Kakaobohnen, Milchpulver, Kakaobutter, Nüsse. Werden die Preise weiter steigen?

Tanner: Ein Teil der Preiserhöhungen beim Kakao basiert allem Anschein nach auf Spekulationen. Ich gehe aber davon aus, dass die Rohstoffkosten 2008 auf dem jetzigen hohen Niveau bleiben.

Werden Sie die Preise der Schokolade nochmals erhöhen?

Tanner: Wir müssen die Kostenerhöhungen der Rohstoffpreise weitergeben. Die Preiserhöhungen sind je nach Land unterschiedlich ausgefallen. In der Schweiz betragen sie 6 bis 8% und wurden bereits realisiert. In den letzten zehn Jahren wurden unsere Investitionen ins Marketing erhöht, wir haben Millionen ausgegeben, das hat sich ausbezahlt. Lindt ist eine starke Marke mit einem ausgezeichneten Image. Deshalb sind wir überzeugt, dass unsere Preisanpassungen akzeptiert werden.

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Hat es Sie geschmerzt, dass ein türkisches Unternehmen Godiva übernehmen konnte?

Tanner: Überhaupt nicht. Von allen potenziellen Käufern schmerzt mich dieser am wenigsten. Wir hätten Godiva kaufen können, wenn wir gewollt hätten. Das Unternehmen ist hauptsächlich im Nordamerika-Geschäft tätig, aber wir sind mit unseren Marken bereits enorm präsent in den USA.

Haben Sie eine andere Akquisition in der Pipeline?

Tanner: Nein. Unser Geschäftsmodell ist erfolgreich.

Wie will Lindt im Wachstumsmarkt China vorwärts machen?

Tanner: China ist momentan noch ein kleiner Schokoladenmarkt. China und übrigens auch Russ-land sind zwei zukünftige Wachstumsmärkte. Wir studieren diese Märkte seit einem Jahr und testen auch mögliche Konzepte. Wir brauchen aber für den Aufbau unserer Marke die nötige Infra- und Distributionsstruktur in diesen Ländern. Das wird nun in China sukzessiv aufgebaut, aber das braucht Zeit.

Wie lange wird das dauern?

Tanner: Für eine breite Distribution in China rechne ich mit fünf Jahren. So lange wird es dauern, bis diese Länder einen substanziellen Beitrag zu unserem Wachstum beisteuern. Wir haben aber noch Potenzial in Amerika, England, dem zweitgrössten Markt. Aber auch in Frankreich, Deutschland oder Spanien können wir weiter Marktanteile gewinnen.Mit welchen Produkten wächst Lindt & Sprüngli vor allem?Tanner: Wir wachsen auf permanenten Produkten wie Tafeln oder Lindor, aber auch im saisonalen Geschäft, also Weihnachten, Ostern, Valentins- oder Muttertag. Lindt ist ein Geschenkartikelbrand. Wir wachsen geografisch überall, in jedem Segment, und wir gewinnen überall Marktanteile. Zudem sind wir innovativ.

Zum Beispiel?

Tanner: Jetzt führen wir eine ganz spezielle Tafel in der Schweiz ein: Mousse au Chocolat.