AUTOMOBIL-MARKT. Die chinesischen Autobauer sind auf dem Sprung nach Europa. «Wir sind die Pioniere der chinesischen Automobilindustrie», sagt Chi Ye, Strategiechef für Europa beim Hersteller Brilliance. Schon bei der nächsten Internationalen Automobilausstellung (IAA) im Jahr 2009 werden nach seiner Einschätzung mindestens drei heimische Hersteller ihre Autos in Frankfurt ausstellen. Das könnten laut Chi Ye neben Brilliance noch Chery und Geely sein.

2009 steht im Zeichen Chinas

Womöglich steht die nächste IAA im Jahr 2009 bereits ganz im Zeichen Chinas. Chi Ye sagt, dass auf der russischen Automesse in Moskau bereits 16 chinesische Hersteller als Aussteller vertreten gewesen seien. «Auf der IAA waren zahlreiche Chefs chinesischer Automobilunternehmen bei uns, um sich unseren Auftritt anzusehen.»Das Brilliance-Management rechnet unterdessen mit einer weiteren Konsolidierung des chinesischen Automarktes. Nach der Einschätzung Chi Yes werden am Ende von den derzeit mehr als 100 Autobauern im Reich der Mitte vielleicht drei bis fünf Herstellergruppen übrig bleiben. Als potenzielle Kandidaten für ein Überleben als eigenständige Konzerne sieht er neben Brilliance auch Unternehmen wie den Volkswagen-Partner Shanghai Automotive Industrie (SAIC) oder Dongfeng. SAIC bemüht sich momentan darum, den Konkurrenten Nanjing Automobile zu übernehmen. Nanjing wiederum hatte vor zwei Jahren Aufsehen erregt, als sie den bankrotten britischen Hersteller Rover kauften und dabei den Konkurrenten SAIC ausstachen. Brilliance war in der Schweiz und in Deutschland zuletzt vor allem durch einen verheerenden Crashtest aufgefallen, sodass noch in den Sternen steht, ob und wann der BS6, eine Mittelklasselimousine für unter 30000 Fr., auf den hiesigen Strassen kurvt.Angesichts der Kritik, die über die Chinesen einbrach, räumt Strategiechef Chi Ye denn auch ein, «nervös» vor dem Start der IAA gewesen zu sein. Warum? «Weil wir hier mitten zwischen den grossen Herstellern der Automobilindustrie wie BMW oder Toyota unsere Autos präsentieren können.» Insgesamt seien die Reaktionen auf der IAA jedoch besser als erwartet gewesen, sagt Chi Ye. Um das Vertrauen der Schweizer in Fahrzeuge von Brilliance zu gewinnen, haben die Chinesen bereits seit einigen Monaten begonnen, an der Qualität und Sicherheit ihrer Fahrzeuge zu arbeiten. Offenbar hatten sie dabei Erfolg: Zuletzt erhielt Brilliance bei ei-nem vergleichbaren Crashtest in Spanien für sein Modell BS6 drei Sterne. Im nächsten Jahr sollen dann drei Brilliance-Modelle – BS2 (Golf-Klasse), BS4 (Mittelklasse) und der BS6 (Limousine) – auch in Deutschland bei den Crashtests deutlich besser abschneiden. Ausserdem soll noch in diesem Jahr ein Netz mit 80 Händlern aufgebaut werden. 2008 soll die Zahl auf 200 Händler steigen. Trotz des Fehlschlages von Brilliance glaubt Chi Ye nach wie vor an den Erfolg chinesischer Autohersteller. «Europa ist der schwerste Markt der Welt, und hier wollen wir uns durchsetzen», sagt er. Das soll über den Preis der Autos geschehen. So kostet beispielsweise die Passat- grosse Limousine BS6 genauso viel wie der viel kleinere VW Polo. Die Brilliance-Modelle, die in Konkurrenz zum koreanischen Hersteller Kia, dem Ford Focus und mittelfristig auch dem VW Golf stehen, sollen in diesem Jahr in Europa 15000 Mal verkauft werden. Zum Vergleich: Der Golf verkauft sich in Deutschland innerhalb von drei Monaten mehr als 50000 Mal. Im nächsten Jahr soll der Absatz auf 25000 und mit dem zusätzlichen Brilliance-Kombi im Jahr 2009 sogar auf 50000 Fahrzeuge steigen. Von Europa aus will Brilliance laut Chi Ye zunächst das Geschäft nach Russland, in den Mittleren Osten, den Iran sowie nach Südafrika ausweiten. Frühestens nach 2009 will das Unternehmen dann darüber beraten, ob es auch in den USA an den Start geht.