Mehr als 40 Milliarden Dollar will ChemChina für Syngenta auf den Tisch legen. Doch der geplante Kauf des Basler Agrochemiekonzerns ist nur die Spitze des Eisberges. Chinesische Investoren sind in diesem Jahr in Europa aktiv wie noch nie zuvor.

Besonders beliebt sind die europäischen Wirtschaftsgrossmächte Deutschland und Frankreich, wie eine Erhebung des Unternehmensberaters EY zeigt (siehe Grafik). Doch auch die Schweiz muss sich nicht verstecken. Sie landet im ersten Halbjahr 2016 mit neun Käufen oder Beteiligungen aus China an sechster Stelle.

Neuer Fokus

Neben Grosskonzernen wie Syngenta, Swissport oder Gategroup geraten inzwischen auch Schweizer KMU ins Visier von Firmen aus dem Reich der Mitte. Im Februar wurde der Verkauf des Aluflaschen-Herstellers Sigg an Haers Vacuum Containers bekannt. Das Traditionsunternehmen mit 80 Mitarbeitern dürfte vor allem wegen des Namens das Interesse der Chinesen geweckt haben.

Der neue Fokus wird von der Regierung mitgetragen. Inzwischen stünden nicht mehr nur Energie und Chemie im Zentrum der Pläne, sondern auch Internet- und Computertechnologie, Medizin, Kultur, Hochtechnologie und Sport, schreibt der sogenannte Staatsrat der Volksrepublik China auf der Webseite.

Willkommene Geldgeber

Trotz gewisser Ängste über unfreiwilligen Technologietransfer und Arbeitsplatzverlagerungen hat die Shoppingtour der Chinesen auch Vorteile für die Schweizer Firmen. Investoren aus China seien angesichts der restriktiven Kreditvergabe vieler Banken für Unternehmen gelegene Geldgeber, so Oliver Müller, Direktor des Verbandes Swissmechanic gegenüber der «Sonntagszeitung».

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(Mathias Brandt, Statista/gku)

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