Die Rahmenbedingungen im Private Banking verschärfen sich seit Ausbruch der Finanzkrise fortlaufend. Kein Wunder, sind die Schweizer Privatbanken deshalb bestrebt, ihr Wachstum durch das Erschliessen neuer Märkte zu forcieren. Ins Auge fassen die Banken den chinesischen Markt. Denn bis 2011 wird es in China 50% mehr Millionäre geben als noch 2008. Dies geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Booz & Company hervor. Mit der wachsenden Anzahl Millionäre steigt auch das Bedürfnis nach einer umfassenden Bankberatung. «Die Chinesen fassen zunehmend Vertrauen zu den internationalen Banken», sagt Andreas Lenzhofer, Mitglied der Geschäftsleitung von Booz & Company (Schweiz).

Karten werden jetzt gemischt

Profilieren können sich die Schweizer Banken hierbei insbesondere durch ihr Know-how. «Heute entsteht in China eine erste Generation von vermögenden Kunden, die zunehmend Interesse an umfassenden Private-Banking-Dienstleistungen zeigt», sagt Carlos Ammann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Booz & Company (Schweiz). Bislang kannten die Banken in China kein klassisches Private Banking.

Obwohl auch China von der Finanzkrise nicht verschont blieb, müssten gemäss Studie die hiesigen Banken ihren Markteintritt oder die Erweiterung eines bestehenden Standortes jetzt planen. «Durch die zunehmende Nachfrage nach Private-Banking-Dienstleistungen ist der Zeitpunkt nun günstig, die matchentscheidenden Kontakte zu knüpfen, um sich im chinesischen Bankenmarkt erfolgreich etablieren zu können», sagt Lenzhofer. Ein wachsendes Bedürfnis nach Private-Banking-Dienstleistungen entsteht vor allem bei den Unternehmern. Rund 70% der Millionäre in China haben ihr Vermögen als Entrepreneur erwirtschaftet. Das meiste Geld liegt derzeit aber noch in der eigenen Firma brach, was zu hohen Klumpenrisiken führt.

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Hohe Hürden

Aber auch wenn in China der Grundsatz «nicht die Grossen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen überholen die Langsamen» gilt, bedarf eine ChinaStrategie einer detaillierten Analyse. Denn der Erfolg in China hängt auch von der Lernfähigkeit des Unternehmens ab. Und für China bedeutet der Lernprozess vielfach eine komplette Neuorientierung anstelle der bisherigen gefahrenen Geschäftsstrategie. «Der chinesische Markt ist alles andere als einfach. Allein Kultur und Sprache stellen die Unternehmen vor grosse Herausforderungen», sagt Lenzhofer.

Dabei erweist sich die Sprache als besonders grosse Hürde. «Die Sprache ist eine grosse Herausforderung, deshalb ist die Rekrutierung und Schulung von lokalen Mitarbeitern unerlässlich», sagt Ammann. Zudem sei es sinnvoll, dem lokalen Management eine international erfahrene Führungskraft sowie zusätzliches Know-how zur Verfügung zu stellen. «Viele multinationale Konzerne sind für die Besetzung dieser Führungsaufgaben dazu übergangen, chinesisch-stämmige Mitarbeiter zu rekrutieren, die in westlichen Ländern aufgewachsen oder ausgebildet worden sind und somit mit beiden Kulturen bestens vertraut sind», sagt er.

Aber auch die regulatorischen Rahmenbedingungen können den hiesigen Banken ihren Markteintritt erschweren. «Der Regulator ist schwierig zu lesen», sagt Lenzhofer. Die Schweizer Banken seien es jedoch gewohnt, sich rasch an veränderte regulatorische Rahmenbedingungen anzupassen. «Auch in der westlichen Welt ist der Aufwand für Compliance heute enorm und die Anforderungen steigen ständig», sagt er.