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Investitionen
Chinesische Investoren schnappen sich Schweizer Firmen

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Bally: Das Unternehmen ist in chinesischen Besitz gelangt.Quelle: Donato Sardella / Getty Images

Chinas Übernahmewelle in Europa hat sich abgeflacht. Dies gilt nicht für die Schweiz – hier bleiben Investoren aus Fernost sehr aktiv.

Veröffentlicht am 16.07.2018

Chinesische Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 111 europäischen Firmen übernommen oder sich an ihnen beteiligt. Das ist gegenüber dem Vorjahr 15 Übernahmen oder 12 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode, wie eine am Montag publizierte Auswertung des Beratungsunternehmens EY zeigt. Das Investitionsvolumen hat sich sogar von 31,6 Milliarden auf 14,9 Milliarden Dollar mehr als halbiert.

Die meisten Transaktionen führen chinesische Investoren in Deutschland und in Grossbritannien durch. In beiden Ländern sank die Zahl der Zukäufe jedoch von 26 auf 22. In der Schweiz dagegen blieb die Zahl der Transaktionen mit sieben Übernahmen stabil.

Lista grösster Zukauf in der Schweiz

Chinesische Käufer haben die Schweizer Traditionsluxusmarke Bally International, den Genfer Energiehändler Mercuria Energy Group, die Swiss Education Group, die Lista Holding, die Beteiligungsgesellschaften Takeda Chromo und Granite Capital und die Medizinaltechnikfirma M.A. Med Alliance übernommen. Mit einem Volumen von 200 Millionen Dollar war dabei der Schubladensystem- und Arbeitsplatzkomponentenhersteller Lista der volumenstärkste Zukauf in der Schweiz.

Die Trendwende in Europa hat 2017 eingesetzt nach einer Phase von 2006 bis 2016, in der die Zahl der Transaktionen kontinuierlich von 40 auf 309 angestiegen ist. EY führt den Trendumkehr auf verschiedene Faktoren zurück. So hätten politische Bedenken und die Sorge vor einem Ausverkauf von Know How für Gegenwind gesorgt, schreibt EY. Zum Teil aber seien die chinesischen Investoren auch überboten worden. Zudem sei die Finanzierung einiger Transaktionen an der verschärften Regulierung in China gescheitert.

Handelsstreit verändert Umfeld

Das heisst laut EY jedoch nicht, dass das Interesse der chinesischen Investoren nachgelassen habe. Bei attraktiven Unternehmen biete immer auch ein chinesischer Konzern mit, heisst es in der Mitteilung zur Auswertung. Das Interesse verlagere sich jedoch weg von den klassischen Industrieunternehmen hin zu Firmen in den Bereichen Infrastruktur, Energie, High-Tech und Pharma.

Die veränderte poltische Grosswetterlage und der Handelsstreit mit den USA könnte hier sogar laut EY zu einer weiteren Trendwende führen. Denn bei europäischen Unternehmen könnte unter diesen Umständen die Bereitschaft wieder ansteigen, chinesische Investoren an Bord zu holen, heisst es weiter.

(sda/mbü)

 

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