Nie sind die Superreichen so viel reicher geworden wie dieses Jahr: Das Vermögen der Milliardäre ist um 19 Prozent auf 8,9 Billionen US-Dollar gestiegen, wie der «Billionaires Report» der Grossbank UBS und des Beratungsunternehmens PWC zeigt. Ein Rekord.

Dazu beigetragen haben besonders Chinas Unternehmer. Im Land der aufgehenden Sonne steigen wöchentlich zwei neue Vermögende empor in den erlauchten Kreis der inzwischen 373 chinesischen Milliardäre. Mit diesem Tempo können die USA nicht mithalten, europäische Länder schon gar nicht.

«Im letzten Jahrzehnt haben chinesische Milliardäre einige der grössten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt gegründet, den Lebensstandard verbessert und in einem ausserordentlichen Tempo Vermögen geschaffen», sagt Josef Stadler, der für die UBS das Geschäft mit superreichen Kunden verantwortet. Und das sei erst der Anfang.

Ein Heer an Arbeitskräften

Chinas Universitäten spülen jährlich Tausende top ausgebildete Berufseinsteiger auf den Arbeitsmarkt. Den Tech-Unternehmen, die sich anschicken, von Shenzhen, Hangzhou, Peking und Schanghai aus die Welt zu erobern, steht ein schier unendliches Heer an hoch motivierten jungen Arbeitskräften bereit. Und der Markt ist riesig, zumal im ganzen ländlichen Teil Chinas noch viel Potenzial besteht.

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2017 explodierte förmlich Chinas E-Commerce- und Technologie-Geschäft: Laut Report fordern chinesische Milliardäre – 97 Prozent werden als self-made bezeichnet – die traditionelle Dominanz des amerikanischen Unternehmertums im Technologiesektor heraus. So zogen sie gleich viel Risikokapital an Land wie Startups in den USA. Und sie meldeten viermal mehr Patente an für künstliche Intelligenz und dreimal mehr Patente in den Bereichen Blockchain und Kryptowährungen.

China holt rasant auf: In den USA gibt es derzeit 119 Firmen mit dem Einhorn-Status. In China sind es 67. Doch 50 davon sind erst zwischen 2016 und 2018 entstanden.

UBS

Grafik aus dem «Billionairs Report»: In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl an chinesischen Milliardären förmlich explodiert.

Quelle: Screenshot

Die schnell wachsende Anzahl an Superreichen dürfte in den Teppichetagen des grössten Vermögensverwalters in Fernost für Euphorie sorgen. Da ist viel Geld auf der Strasse, das verwaltet werden will. Marcel Widrig von PwC sagt: «Unser Bericht zeigt auf, dass China derzeit das führende Land für Unternehmer und den Vermögensaufbau ist.»

Derzeit baut die UBS in China aus: Innerhalb von fünf Jahren will sie ihre Belegschaft verdoppeln. Bis Ende Jahr dürfte sie dort bereits 1200 Angestellte haben.

Die Tücken des China-Geschäfts

Das Geschäft in China hat aber Tücken, wie sich jüngst zeigte. Vergangenes Wochenende durfte eine hochrangige Mitarbeiterin der UBS in Peking vorübergehend nicht ausreisen. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise war es ein Warnschuss vonseiten der chinesischen Behörden. In China ist Kapitalflucht beliebt. Zwar dürfen Chinesen jährlich umgerechnet nur 50’000 Dollar ins Ausland schaffen. Allerdings gibt es diverse Tricks, um die Summe zu erhöhen – etwa via Konten anderer Leute, Kryptowährungen oder Investments im Ausland.

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Ein anderer Dämpfer ist zudem der schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China. Falls dieser eskaliert, erwartet die UBS eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Laut Report könnten amerikanische und asiatische Aktien (ohne Japan) um bis zu 20 Prozent sinken. Die jungen Unternehmer in Fernost dürfte das aber kaum bremsen.