Die Begeisterung für China kennt hierzulande kaum noch Grenzen. Ende Januar nahmen die beiden Staaten am World Economic Forum in Davos Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen auf. Wenn am Ende die Zölle fallen, könnte das Handelsvolumen mit China um 50 Prozent zulegen, besagt eine Machbarkeitsstudie. Bereits im vergangenen Jahr explodierten die Exporte in die Volksrepublik. Sie stiegen um über 30 Prozent.

Doch Experten warnen vor unkalkulierbaren Risiken im Geschäft mit China. Besonders Firmenübernahmen sind für Schweizer Unternehmer heikel. Schattenbuchhaltungen gehören zum Alltag. «Es ist schwierig, an die reale Rechnung einer chinesischen Firma zu kommen», sagt Beat Brechbühl von Kellerhals Anwälte. Daneben bremst die staatliche Willkür so manche Expansion. Der Reisekonzern Kuoni musste etwa die geplante Übernahme eines lokalen Anbieters aufgeben. Dessen Firmenchef geriet in einen Konflikt mit den chinesischen Behörden und sitzt nun im Gefängnis.

Zwar verbesserte sich in den letzten Jahren die Qualität der Rechtsprechung, sagt Hans Roth, der frühere Schweizer Generalkonsul in Schanghai und Hongkong. Doch bei der Durchsetzung von Gerichtsurteilen sehe es ganz anders aus. Die Erfolgsrate bei Schuldeneintreibungen liegt in China bei mageren 30 Prozent, wie die auf Schuldeneintreibung spezialisierte Firma Atradius Collections schätzt. Insgesamt sei «das tägliche Arbeitsumfeld für die Firmen heute schwieriger als noch vor fünf Jahren», sagt Hans Roth.

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Zu den Gefahren im täglichen Geschäft kommen die konjunkturellen Risiken. Die Wirtschaft brummt, als ob es nie eine Finanzkrise gegeben hätte. Die Politik des billigen Geldes und der unterbewerteten Währung zeigt nun ihre Schattenseiten. Die Inflation beträgt offiziell knapp 5 Prozent, in Wirklichkeit dürfte es mehr sein. Besonders die steigenden Lebensmittelpreise beunruhigen die Regierung. Deutlich werden die Überhitzungserscheinungen im Immobilienmarkt. Die Preise verdreifachten sich in den letzten zehn Jahren beinahe. Vergangenen Dienstag musste die Notenbank die Zinsen erhöhen, zum dritten Mal seit Oktober 2010.

Um die Immobilienblase und die Lebensmittelinflation wirksam zu bekämpfen, müsste die Regierung viel stärker auf die geldpolitische Bremse treten und die Währung aufwerten. Davor schreckt sie bisher zurück aus Rücksicht auf die Exportwirtschaft, die Hausbesitzer und die regionalen Behörden, die vom Immobilienboom profitieren.