Die Analysten staunten, die Journalisten schimpften die Reaktionen auf die Halbjahresergebnisse von Ciba Spezialitätenchemie fielen unterschiedlich aus. Diese sind am 17. August veröffentlicht worden. Während diverse Banken ihre Preisziele für die Ciba-Papiere erhöhten, lauteten die Titel von Zeitungskommentaren beispielsweise: «Stellenabbau ist zu wenig.» Oder: «Die Zeit ist abgelaufen.» Und: «Klare Ziele wären hilfreich.» Eine Gemeinsamkeit verbindet aber beinahe alle Beobachter des Unternehmens: CEO und Verwaltungsratspräsident Armin Meyer bleibt umstritten. Sein Rücktritt als operativer Chef wird erwartet und teilweise gar aktiv gefordert.

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Seit Oktober 2005 amtiert Brendan Cummins als Chief Operating Officer (COO), um Meyer im Tagesgeschäft zu entlasten. Der aus Irland stammende Cummins kennt das Unternehmen gut und arbeitete zuletzt als Personalchef und Leiter des Segments Plastic Additives, bevor er zum COO ernannt wurde. Heute gilt er als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Meyer; dieser würde bei einem Rücktritt als CEO sein Amt als Präsident des Verwaltungsrates wohl behalten. Armin Meyer nimmt dazu nur verklausuliert Stellung: «Der Verwaltungsrat prüft das gewählte Führungsmodell laufend», sagte er im Rahmen der Präsentation der Ergebnisse des 1. Semesters. Damit ist ein Rücktritt auf die Generalversammlung vom nächsten Frühling nicht ausgeschlossen.

Überraschend solide Zahlen

Ciba SC erzielte in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres einen Umsatz von rund 3,9 Mrd Fr., 9% mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Der Betriebsgewinn betrug 259 Mio Fr. (plus 5%). Der Konzernverlust war mit 202 Mio Fr. deutlich (1. Halbjahr 2005: 146 Mio Fr. Gewinn), vor allem wegen des schwachen Geschäftsverlaufs im 1. Quartal und eines geringeren Finanzertrags. Während aber der operative Cashflow im 1. Halbjahr 2005 mit 104 Mio Fr. deutlich im Minus lag, betrug er im 1. Halbjahr 2006 nun 99 Mio Fr.

Diese Zahlen sind überraschend. So hatte Konkurrentin Clariant nur einige Tage vorher ein deutlich schwächeres Ergebnis vorgelegt. Die gestiegenen Rohstoff- und Erdölpreise schmälerten den Betriebsgewinn (Ebit) des Basler Konzerns um 30 bis 40 Mio Fr., wie Finanzchef Michael Jacobi ausführte.

Doch die Analysten sind für Ciba wieder zuversichtlicher gestimmt. Die Bank Sarasin erhöhte ihr Preisziel von 71 auf 74 Fr., Lombard Odier Darier Hentsch von 78 Fr. auf 80 Fr. und Helvea gar von 70 Fr. auf 80 Fr. Die Ratings blieben allerdings unverändert. Die Westdeutsche Landesbank (West LB) wiederum behielt das Preisziel von 85 Fr. bei, erhöhte aber das Rating von «Hold» auf «Add».

Nach dem Verkauf der Textilsparte an den US-Chemiekonzern Huntsman will sich Ciba SC nun auf die drei Segmente Plastik, Lack und Papier/Wasser fokussieren. Angestrebt wird ein durchschnittliches organisches Wachstum von 3 bis 4% pro Jahr und eine kontinuierliche Verbesserung des Betriebsgewinns um jährlich 1%. Alle Bereiche sollen in Asien wachsen. Die Marketing- und Verkaufsabteilung soll verstärkt und besser geschult werden. «Wir verkaufen Moleküle, anstatt Geld zu verdienen», meint Meyer.

100 Kündigungen in der Schweiz

Das Ergebnis kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Situation von Ciba SC nicht besonders rosig präsentiert. Kein Wunder, muss CEO Meyer die vierte Restrukturierung innerhalb von sechs Jahren angehen: Kaum ist das noch laufende Sparprogramm «Shape» abgeschlossen, wird bereits die darauf folgende «Operational Agenda» in Angriff genommen. Mit ihr sollen bis 2009 insgesamt 400 bis 500 Mio Fr. eingespart und weltweit 2500 von insgesamt 15000 Stellen abgebaut werden. Von den 350 in der Schweiz betroffenen Angestellten sollen 100 die Kündigung erhalten.

Um welche Jobs es sich handelt, soll noch vor Weihnachten entschieden werden, so COO Cummins. Ciba hat vor allem zwei Probleme: Erstens das Papier- und Wassergeschäft, das längst nicht so profitabel wie gewünscht ist. Ein Verkauf der Sparte stehe momentan aber trotzdem nicht zur Diskussion. Zweitens leidet das Unternehmen darunter, dass es zwischen mächtigen Lieferanten und mächtigen Kunden steht. Preiserhöhungen sind deshalb nur schwer möglich. Im 1. Halbjahr konnten die Preise nur um 0,4% erhöht werden. Um die gestiegenen Rohstoffpreise ausgleichen zu können, wären laut der Bank Sarasin aber mindestens 1,3% nötig gewesen. Zum Vergleich: Die Konkurrenten Ems-Chemie und Lonza konnten die Preise um 5% respektive 7% erhöhen.

Der Aktienkurs erholte sich etwas nach der Medien- und Analystenkonferenz. Die Papiere legten teilweise um 12% zu und lagen vor Redaktionschluss bei rund 70 Fr. Seit Jahresbeginn verloren die Aktien allerdings rund 15% ihres Wertes, seit dem Amtsantritt von Armin Meyer Anfang 2001 sogar mehr als 30%.

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Ciba SC

Tipp
Die Hälfte der Analysten, welche Ciba SC beobachtet, stuft die Aktie mit «Halten» ein. Befürchtet wird etwa, dass die Einsparungen der Restrukturierungsprogramme durch die hohen Rohstoff- und Erdölpreise weggefressen werden. Auch das Potenzial der Papier- und Wasserdivision ist umstritten. Eher eine Anlage für Risikofreudige.