Der Chemiekonzern Clariant will sich im Zuge der Fokussierung auf wachstumsstarke und ertragskräftige Bereiche nun auch vom Geschäft mit Lederchemikalien trennen. Damit stehen nun fünf Geschäftseinheiten zum Verkauf. Das aktive Portfoliomanagement sowie Kostensenkungen werden Clariant helfen, die bereinigte EBITDA-Marge bis 2015 auf 17 Prozent zu erhöhen.

«Wir haben gesagt, wir beobachten Leder und halten uns die Möglichkeiten offen. In der Zwischenzeit haben wir aber beschlossen, auch für Leder strategische Optionen zu suchen», erklärte Konzernchef Hariolf Kottmann im Interview mit der «Finanz und Wirtschaft». Bereits vorher waren die Bereiche Textil, Papier, Emulsionen sowie Detergents & Intermediates als mögliche Verkaufsobjekte genannt worden.

Gespräche mit nahezu vierzig Investoren

Der Devestitionsprozess habe für Textil, Papier und Emulsionen bereits begonnen und es habe eine erste Runde von Gesprächen mit nahezu vierzig strategischen Investoren und Finanzinvestoren gegeben. «Nun schränken wir den Kreis derer, mit denen wir intensiv reden, deutlich ein und hoffen, noch in diesem Jahr entscheiden zu können, mit wem wir in die nächste Runde gehen», so Kottmann.

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Bei Detergents & Intermediates und nun auch Leder werde die Ausgliederung mit dem Ziel forciert, den Verkaufsprozess im Verlauf des ersten Quartals 2013 beginnen zu können, so Kottmann weiter.

Die Eintrübung des Konjunkturumfelds wirkt sich nach Einschätzung des Konzernchefs nicht auf die Gespräche aus. «Die Argumente ähneln sich, egal, ob die Wirtschaft stabil ist oder kränkelt. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir da momentan ein grosses Problem haben», meinte er wörtlich. Er sei daher zuversichtlich, für die besagten Aktivitäten einen «ansprechenden» Preis zu erzielen.

Kerngeschäft mit kleinen Akquisitionen stärken

Das Geschäft der chemischen Industrie hat sich im dritten Quartal merklich abgeschwächt. Die aktuelle Lage beurteilt Kottmann als «nicht befriedigend», sie differiere aber je nach Weltregion. In den kommenden sechs bis zwölf Monaten werde kaum eine spürbare Erholung der Weltwirtschaft zu sehen sein: «Ich erachte es als wahrscheinlicher, dass wir auf dem heutigen Nachfrageniveau weitermachen werden.»

«Deshalb müssen wir mehr tun, um die nächste Stufe an Profitabilität und Wachstum in den Jahren 2013 und 2014 zu erreichen», so der CEO weiter. So rechnet Kottmann auf der Kostenseite mit einer «spürbaren» Verbesserung, denn mit den Veräusserungen würden auch die Kosten auf Konzernebene sinken. «Auch die Integrationskosten für Süd-Chemie verschwinden Schritt für Schritt», so Kottmann.

Die Kerngeschäfte sollen hingegen weiterentwickelt werden, auch mit kleineren Akquisitionen. Damit soll der Spezialitätencharakter erhöht sowie regionale Ungleichgewichte vermindert werden. «Wir reden von Akquisitionen mit einem Volumen von in der Regel unter 20 Millionen Franken, wobei es primär um regionale Präsenz und Technologie geht.»

Management deckte sich mit Aktien ein

Mit der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal Ende Oktober hatte Clariant den Ausblick für das Gesamtjahr 2012 etwas gesenkt und rechnet nunmehr mit einer nur flachen Umsatzentwicklung in Lokalwährung. Die Papiere reagierten darauf mit einer Einbusse von 8%. Die Führungskräfte nutzten indes den Kurssturz: In den beiden Folgetagen hätten die achtzig Mitglieder des Global Management Team (GMT) über 250'000 Aktien erworben.

«Ich und meine Kollegen zusammen 60'000», verrät der CEO. «Wir haben Kurse von 10 Franken und darunter ganz klar als Kaufgelegenheit gesehen, weil wir wissen, dass die Aktien in ein, zwei Jahren deutlich darüber notieren werden.» Aktuell halte das Executive Committee, die im GMT versammelten Spitzenkader und andere Mitarbeiter von Clariant zusammen fast 3 Millionen Aktien, verrät Kottmann. Das entspreche einer Beteiligung von rund 1 Prozent.

(aho/vst/awp)