Der Basler Chemiekonzern Clariant will mit dem US-Wettbewerber Huntsman fusionieren. Mit dem Zusammenschluss entstehe ein Unternehmen mit einem Umsatz von rund 13,2 Milliarden Dollar, teilte Clariant am Montag mit. Davor berichtete bereits das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider über die schweizerisch-amerikanische Hochzeit.

Die Familienaktionäre von Clariant und Huntsman unterstützten die Fusion, schreibt Clariant weiter. An der neuen Gesellschaft sollen die Clariant-Aktionäre 52 Prozent halten, die Huntsman-Eigner den Rest. Die beiden Firmen seien zuversichtlich, dass die Behörden grünes Licht für die Transaktion geben und der Zusammenschluss bis zum Ende des Jahres in trockenen Tüchern sei, heisst es im Communiqué. Huntsman-CEO Peter Huntsman werde Chef der neuen Firma, während sein Clariant-Kollege Hariolf Kottmann den Verwaltungsrat führe.

Informelle Gespräche im März

Der Spezialchemiehersteller Clariant entstand in den 90er Jahren aus Teilen der schweizerischen Sandoz und des deutschen Konzerns Hoechst. Das in Muttenz bei Basel ansässige Unternehmen stellt etwa Flugzeugenteisungsmittel oder Farbpigmente her. Chemikalien von Huntsman werden in Farben, Bekleidung oder am Bau verwendet.

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Über den Zusammenschluss berichtete am Sonntag zuerst das «Wall Street Journal». Reuters hatte bereits im März berichtet, dass es zwischen den beiden Firmen informelle Gespräche über einen Zusammenschluss gab. Insidern zufolge scheiterten diese aber Ende 2016 an der Frage, ob Amerikaner oder Schweizer in einem neuen Unternehmen das Sagen haben werden. Die jetzige Verteilung der Posten ist ein Zeichen dafür, dass beide gleichberechtigt sein sollen.

Übernahmefieber in Europa

Clariant stand unter dem Druck von Investoren, einen Partner zu finden, um Kosten zu senken und das Wachstum anzukurbeln. Firmenlenker Kottmann baut seinen Konzern seit Jahren um. So trennte er sich 2012 von den Sparten für Textil- und Papierchemie.

Weil sich das Wachstum in der Chemiebranche insgesamt abschwächt, setzen viele europäische Unternehmen auf Übernahmen. Seit Mitte 2015 gab es etwa Milliardenzukäufe von BASF, Solvay, Evonik und Lanxess. In den USA wagen Dow and DuPont eine Fusion im Volumen von 130 Milliarden Dollar. Nach dem Zusammenschluss soll das neue Unternehmen in drei Bereiche aufgespalten werden.

(reuters/ise/mbü)