CEO Jan Secher arbeitet auf Hochtouren daran, das kriselnde Baselbieter Spezialitätenchemieunternehmen Clariant wieder auf Vordermann zu bringen. Der tatendurstige Schwede baut dafür auch wacker sein Top-Kader um.

Doch nicht alle Mitarbeiter von Secher scheinen dies zu goutieren: So hat der Franzose Philippe Royer erst Mitte Juni die Leitung der Division Textilien, Leder und Papierchemikalien übernommen. Jetzt verlässt er diese Stelle aber bereits wieder, um Chef eines «bedeutenden europäischen Metallverarbeiters» zu werden. Sein Nachfolger wird mit sofortiger Wirkung Peter Brandenberger, der bisher für die internationale Koordination und die konzernweiten Servicefunktionen verantwortlich zeichnete.

Ab sofort mit Überstunden

Für die verbleibenden Kaderleute wird dies Überstunden zur Folge haben. Denn sie müssen zusätzlich zu ihren angestammten Bereichen fast alle bisherigen Aufgaben von Brandenberger übernehmen. Betroffen sind die Divisionschefs Okke Koo, Siegfried Fischer und Dominik von Bertrab sowie Personalchef Johann Steiner. Nur Forschungschef Hartmut Wiezer muss nicht in den sauren Apfel beissen, weil er Ende Jahr pensioniert wird. Und auch CFO Patrick Jany ist vom Clariant-Lenker Secher nicht mit Zusatzaufgaben eingedeckt worden. Denn Jany hat auch so schon einen schweren Job: Er muss den Investoren erklären, weshalb die Aktie der Spezialitätenchemiefirma mit weltweit 21500 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 8,1 Mrd Fr. (2006) weiterhin eine attraktive Anlagemöglichkeit darstellt.

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Aktie verlor satte 18 Prozent

Denn genau dies wird stark bezweifelt: Vielen Analysten ist nicht klar, wie sich Clariant langfristig und wirtschaftlich erfolgreich als selbstständiges Unternehmen zwischen mächtigen Rohstofflieferanten und ebenso mächtigen Kunden positionieren kann. Ob die Ergebnisse des 3. Quartals – sie folgen am 7. November – eine Trendwende einläuten können, bleibt daher fraglich. Sogar die Ratingagentur Standard & Poors senkte den Ausblick für die Clariant-Kreditratings von «stabil» auf «negativ». Seit Anfang 2007 verlor die Aktie 18% und stand bei Redaktionsschluss bei unter 15 Fr.