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Clariant prüft Strategie und lässt White Tale abblitzen

Hariolf Kottmann
Clariant-Chef Auf der Suche nach einer neuen Strategie. Quelle: Keystone

Grossinvestor White Tale hat die Clariant-Fusion mit Huntsman verhindert. Seinen weiteren Forderungen stellt sich der Konzern allerdings entgegen – und kündigt eigene Strategie-Schwerpunkte an.

Veröffentlicht am 24.11.2017

Der Spezialchemiekonzern Clariant geht auf Konfrontationskurs zu seinem grössten Aktionär White Tale. Das Basler Unternehmen lehnt die Forderung des Hedgefonds nach drei Sitzen im Verwaltungsrat ab, wie Clariant am Freitag mitteilte. White Tale ist mit zuletzt gemeldeten 20 Prozent der grösste Aktionär von Clariant.

Vertreter des Präsidiums und des Nominierungskomitees hätten sich mit White Tale in Zürich getroffen, hiess es in der Mitteilung. Das Treffen wurde einberufen, nachdem White Tale mit seinem Widerstand die milliardenschwere Fusion von Clariant mit dem US-Chemiekonzern Huntsman zu Fall gebracht hatte. White Tale habe keine eigene Strategie oder Pläne präsentiert, wie Clariant weiterentwickelt und langfristiger Wert für alle Aktionäre geschaffen werden solle, schreibt der in Muttenz BL ansässige Chemiekonzern.

Clariant-Verwaltungsrat lehnt Forderungen ab

Die Forderung von White Tale, eine Investmentbank mit einem strategischen Überprüfungsprozess zu beauftragen, lehnt Clariant ab. «Der Prozess, auf dem sie bestehen, bedeutet nichts Anderes, als Bieter für unsere einzelnen Geschäfte zu finden mit der Konsequenz, die Firma aufzuspalten und die Teile zu verkaufen», sagte Clariant-Chef Hariolf Kottmann in einer Telefonkonferenz.

Dies stünde im Gegensatz zu der unternehmerischen Vision und Verantwortung, dem Verständnis sowie den Treuepflichten des Clariant-Verwaltungsrats und des Managements. Daher lehnte der Verwaltungsrat die Forderung ab.

Weiterer Verwaltungsratssitz angeboten

Das Aufsichtsgremium bietet der Investorengruppe jedoch an, ein sogenanntes Registrierungsverfahren einzuleiten, um ein weiteres Mitglied für den Verwaltungsrat von Clariant bei der bevorstehenden Generalversammlung im März 2018 vorzuschlagen. Dies werde allen Aktionären die Möglichkeit geben, über den Antrag von White Tale abzustimmen, im Verwaltungsrat mitzuwirken. Clariant bietet White Tale zudem weiterhin an, eine Vertraulichkeitsvereinbarung zu unterzeichnen und in der Folge einen besseren Einblick in die aktuelle Strategie der Gruppe zu erhalten.

In der Gruppe White Tale hat sich das US-Familienunternehmen Standard Industries mit dem aktivistischen Hedgefonds Corvex zusammen getan. Der Baumaterial-Hersteller Standard Industries wurde in Europa bekannt durch einen Rechtsstreit um die Übernahme des Dachpfannen-Herstellers Braas Monier. Standard Industries ist seit 2016 via seines Investmentarms «40 North» Clariant-Aktionär.

Clariant-Fusion mit Huntsman vereitelt

Stattdessen wolle Clariant leichte Anpassungen seiner Strategie prüfen. Dazu gehörten mögliche Übernahmen, Veränderungen des Geschäftsportfolios und Kostensenkungen. Clariant habe dabei Rückendeckung vom zweitgrössten Aktionär, den Familienaktionären der früheren Süd-Chemie mit einem Anteil von rund 15 Prozent.

Die Anleger reagierten verschnupft auf die sich abzeichnende Auseinandersetzung. «Die ist der operativen Entwicklung nicht förderlich, zumal Management-Ressourcen gebunden werden und nicht für das erfolgreiche Fortkommen der Gesellschaft eingesetzt werden können, sondern in die Strategieverteidigung gesteckt werden müssen», urteilte ZKB-Analyst Philipp Gamper. An der Börse verloren Clariant 0,9 Prozent auf 26,37 Franken.

Die Anleger reagierten verschnupft auf die sich abzeichnende Auseinandersetzung. «Die ist der operativen Entwicklung nicht förderlich, zumal Management-Ressourcen gebunden werden und nicht für das erfolgreiche Fortkommen der Gesellschaft eingesetzt werden können, sondern in die Strategieverteidigung gesteckt werden müssen», urteilte ZKB-Analyst Philipp Gamper. An der Börse verloren Clariant 0,9 Prozent auf 26,37 Franken.

White Tale hielt zuletzt gut 20 Prozent an Clariant und hatte die geplante 20-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem US-Rivalen Huntsman vereitelt. Der aktivistische Anleger wollte sich zu den Plänen der Clariant-Spitze vorerst nicht äussern. Die Rückweisung seiner Forderungen dürfte nun zu einem Kräftemessen zwischen den beiden Parteien auf einer Aktionärsversammlung führen. Kottmann sagte: «Wie unsere Aktionäre stimmen werden, weiss ich nicht, das werden wir sehen.»

Nach ABB steht ThyssenKrupp unter Druck von Cevian

Nicht nur Clariant steht unter Druck durch aktivistische Grossaktionäre. Auch ABB hatte in diesem Jahr bereits heisse Momente im Ringen mit Anteilseigner Cevian um die richtigen Schritte. Cevian hält 5 Prozent an ABB und ist seit April durch Mitgründer Lars Förberg im Verwaltungsrat vertreten. Bei der Bekanntgabe der letzten Zahlen lobte ABB-Chef Ulrich Spiesshofer, dass die Zusammenarbeit mit dem zweitgrössten Aktionär konstruktiv sei. Dessen dringende Forderung, ABB solle die Netzwerkspalte abstossen, hatte das Unternehmen im Oktober allerdings abblitzen lassen.

Derzeit hat Cevian offenbar besonders den deutschen Industrieriesen ThyssenKrupp im Blick. In einem Interview kritisiert Lars Förberg Konzernchef Heinrich Hiesinger scharf. «Die Strategie hat bisher nicht das geliefert, was man versprochen hat«, sagte Cevian-Mitgründer Lars Förberg dem «Handelsblatt». «Die Ergebnisse sind besorgniserregend.» Der Vorstand des Industriekonzerns habe sich vor vier Jahren operative Margenziele von sechs bis sieben Prozent gesetzt, schaffe derzeit aber gerade mal die Hälfte. «Seit vier Jahren warten wir damit auf sichtbaren Fortschritt.» Der Frage, ob er Hiesinger noch unterstütze, wich Förberg dem Bericht nach aus: «Es muss der Anspruch der Unternehmensführung sein, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Und dazu muss sich das Unternehmen wandeln, agiler und einfacher werden in einer sich schnell ändernden Welt.»

Verlust von 649 Millionen Euro

Der Vorstand müsse sich fragen, wie es Thyssenkrupp schaffen könne, «die beste industrielle Struktur zu schaffen, um seinen Zielen gerecht zu werden und wettbewerbsfähiger zu werden, dies nicht nur für Stahl, sondern auch für die anderen Sparten», sagte Förberg. Beim Stahl habe der Konzern die richtige Antwort mit der angestrebten Tata-Fusion gegeben. Auch für die anderen Sparten sei eine solche Lösung denkbar. «Joint-Venture, dezentrale Unternehmensstrukturen, spin-off. Das zentrale Thema ist doch, dass Konglomerate alten Stils nicht mehr funktionieren.»

Thyssenkrupp verbuchte im Geschäftsjahr 2016/17 wegen hoher Abschreibungen einen Verlust von 649 Millionen Euro. Für 2017/18 stellte Hiesinger aber eine erhebliche Verbesserung in Aussicht. Die Pläne für die Stahlfusion mit Tata Steel will er trotz massiven Widerstands der Belegschaft vorantreiben. Die IG Metall will nur dann zustimmen, wenn die Mitarbeiter in Deutschland über viele Jahre abgesichert sind.

(reuters/sda/me)

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Bei diesen Firmen hat Cevian Capital die Finger im Spiel

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Seit Ende Mai ist bekannt, dass Cevian Capital mehr als drei Prozent von ABB hält. Mittlerweile ist die Beteiligungsgesellschaft mit über fünf Prozent investiert.