Der Chemiekonzern Clariant hat mitten in der Neuausrichtung eher durchzogene Zahlen vorgelegt. Umsatz und operativer Gewinn wurden im dritten Quartal gesteigert, aber in einem geringerem Ausmass als von Experten erwartet. Der Ausblick auf das laufende Jahr wurde dennoch bestätigt.

Der Konzern wies am Mittwoch für die Monate Juli bis September einen um 2 Prozent höheren Umsatz von 1,61 Milliarden Franken aus. Vor allem die Schwäche einiger Währungen gegenüber dem Schweizer Franken machten dem Unternehmen zu schaffen. Denn in Lokalwährungen gerechnet wären die Verkäufe um 5 Prozent gestiegen.

Den höheren Umsatz habe man vor allem aufgrund von Preiserhöhungen erreicht, erklärte Finanzchef Patrick Jany gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Jany zufolge machten höhere Verkaufspreise 4 Prozentpunkte des Wachstums aus, während die abgesetzten Volumen um lediglich 1 Prozent expandierten.

Der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn auf Stufe EBITDA lag bei 241 Millionen Franken, das sind 3 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die entsprechende Marge stagnierte bei 15,0 Prozent. Weitere Gewinnzahlen wurden nicht vorgelegt.

Ölgeschäft stark

Fast alle Geschäftsbereiche haben zu dieser Steigerung beigetragen. Für Auftrieb sorgten jedoch vor allem die Geschäftsbereiche Natural Resources (+14%) und Care Chemicals (+8%), die Chemikalien für die Öl- und Bergbauindustrie oder Kosmetik-Inhaltsstoffe herstellen. Einzig mit Katalysatoren für chemische Prozesse setzte Clariant nach einem Rekordquartal im Vorjahr 4 Prozent weniger um.

In der regionalen Betrachtung fiel das Wachstum in Lateinamerika mit 14 Prozent in Lokalwährungen am stärksten aus. In Europa und Nordamerika legte der Umsatz um jeweils 5 Prozent zu, in Asien um 3 Prozent. In China schwächte sich nach Angaben von Finanzchef Jany das Wachstum auf 9 Prozent ab, verglichen mit mehr als 20 Prozent im Quartal davor.

Clariant bekräftigte zudem den Ausblick: Demnach rechnet das Unternehmen im laufenden Jahr mit einem nicht näher bezifferten Wachstum in Lokalwährung sowie einer Verbesserung des operativen Cashflows. Auch die die EBITDA-Marge vor Einmaleffekten soll steigen. Nach neun Monaten lag der entsprechend Wert mit 15,3 Prozent noch gleichauf mit 2017.

Grosse Pläne

Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Durch die Zusammenlegung von Geschäften mit dem neuen Ankeraktionär Sabic soll das Portfolio Clariants eine neue Qualität erhalten und die Profitabilität künftig deutlich steigen. Mit dem Deal stossen rund 2'800 Mitarbeiter zum Unternehmen.

Ab 2021 soll so ein Umsatz von rund 9 Milliarden Franken und eine operative Marge (EBITDA) von etwa 20 Prozent erreicht werden. Zum Vergleich: 2017 erzielte Clariant einen Umsatz von 6,4 Milliarden Franken und eine Marge von 12,7 Prozent.

Die Verbindung mit dem neuen Grossaktionär geht aber über die Kooperation hinaus. Mit Ernesto Occhiello wurde ein neuer CEO bestimmt, der von Sabic kommt. Der Italiener löste Hariolf Kottmann vor gut zwei Wochen ab. Dieser hate zehn Jahre lang die Geschicke von Clariant gelenkt und steht nun dem Verwaltungsrat vor.

Dass die Clariant-Aktien gegen 10 Uhr mit einer deutlichen Kurserholung von gut 2 Prozent auf die eher verhaltenen Quartalszahlen reagiert haben, führten Beobachter einerseits auf die Kursverluste im Vorfeld zurück. Andererseits wurde auf die Möglichkeit eines Beteiligungsausbaus durch den saudischen Ankeraktionär verwiesen.

Händler sprachen in diesem Zusammenhang von einem «Sabic-Put». Also von der Option, die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Preis weiterreichen zu können.

(awp/mlo/bsh)

Anzeige