Der Auftritt war, naja, aussergewöhnlich. Im Wirtschaftsmagazin «Eco» liess sich Hariolf Kottmann Ende Mai als Vater der Fusion der beiden Chemiefirmen Clariant und Huntsman feiern. Mit geschwellter Brust gings in der schwarzen Limousine zum grossen Auftritt – die Kamera lief mit. Heute dürfte Clariant-Chef-Kottmann über seine Reality-Show nicht mehr glücklich sein. Denn mit jedem Tag wachsen die Zweifel, ob der von ihm beschworene «Merger of Equals» überhaupt zustande kommt. Wenn nicht, wird es eng für ihn.

In Investorenkreisen wird der Plan zunehmend in Zweifel gezogen. Die Stirnfalten sind noch tiefer, seitdem sich die beiden US-Finanzgesellschaften 40 North und Corvex als Clariant-Grossaktionäre zu erkennen gaben. Sie halten zusammen 7,2 Prozent an der Basler Chemiefirma. Und sie sind entschieden gegen den geplanten Merger, den sie als wertvernichtend einschätzen – und im Widerspruch zur Premium-Strategie von Clariant stehend.

Premium versus Commodity

Die Zahlen reflektieren das Prinzip Premium versus Commodity. Die Rendite der Schweizer liegt deutlich über jener der Amerikaner. Ergo widerspiegle das Beteiligungsverhältnis von 52 Prozent für Clariant und 48 Prozent für Huntsman nie und nimmer den wahren Wert der Basler Chemiefirma, sagt ein Investor. Man habe sich von den Amerikanern über den Tisch ziehen lassen, sagt ein anderer.

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Das Timing ist zumindest für Huntsman perfekt. In den letzten Monaten vor der Deal-Ankündigung stieg der Aktienkurs auf eine Höchstmarke. Letztes Jahr, als die ersten Merger-Gespräche zwischen Huntsman und Clariant auf Eis gelegt wurden, war die Huntsman-Aktie noch halb so schwer. Zumindest für Huntsman gilt: Zeit bringt Geld.

Schwierige Ausgangslage

Nun wird um jede Stimme gekämpft. Auf der Telefonliste der umtriebigen Fusionsgegner stehen angelsächsische Clariant-Investoren wie Cymbria, Blackrock, Edgepoint oder Citadel. Um den «Merger of Equals» durchzubringen, muss Kottmann zwei Drittel der Clariant-Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung auf seine Seite bringen. Eine hohe Hürde, denn erfahrungsgemäss sind an der GV bloss 60 Prozent präsent. Wenn also die Gegner aus Übersee zu ihren 7,2 Prozent weitere 15 Prozent mobilisieren, droht dem Fusionszug das Abstellgleis.

Für Kottmann wäre es eine Blamage, für Huntsman kein Beinbruch. Ganz im Gegenteil: Lehnt die Clariant-GV den Merger ab, müssen die Schweizer den Amerikanern eine Break-up Fee von 60  Millionen Dollar bezahlen.

Damit es erst gar nicht soweit kommt, legt sich das Clariant-Lager mächtig ins Zeug. In Europa ist die deutsche Firma Gauly Advisors mandatiert. Zum Team Kottmann gehören auch die Anwaltskanzleien Homburger und Bär & Karrer.

Chefs bestimmt

Nichts wird dem Zufall überlassen. Kottmann schwärmt in Firmenvideos über die Vorzüge der Fusion. Er ist als Präsident gesetzt ist, ebenso Peter Huntsman als CEO. Clariant-CFO Patrick Jany soll der neue Finanzchef werden.