Zufall oder nicht – derzeit weilen gleich zwei Persönlichkeiten der internationalen Touristik in der Schweiz: Samih Sawiris, Chairman & CEO der Orascom Development Holding (Orascom), am 29. Oktober 2008 in Zürich; Henri Giscard d‘Estaing, CEO des Club Méditerranée (Club Med), am 30. Oktober 2008 in Montreux.

Der ägyptische Tourismusinvestor stellt in der Limmatstadt sein neues Projekt Sawiris Scholar-ships vor. Mit seiner Foundation unterstützt er die Forschung an der ETH mit 1,5 Mio Fr. Der Club-Med-Chef, Sohn des früheren französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d‘Estaing, tritt seinerseits am Genfersee als prominenter Gastreferent beim Travel Trade Workshop (TTW) auf.

Lunch-Termin mit Kuoni-Kader

Im Rahmen einer der seltenen Visiten des Franzosen in der Schweiz kommt es abseits der Tourismusfachmesse zu einem anderen Spitzengespräch. Laut Recherchen der «Handelszeitung» trifft sich der Grand Chef des Club Med mit dem Top-Kader der Kuoni Reisen Holding, die seit Jahren die Feriendörfer der Franzosen in ihrem Sortiment führt. Über die Beweggründe für den Lunch-Termin war nur zu erfahren, dass es sich um ein «rein informelles Treffen» handelt. Von aussen betrachtet gibt es zwischen Club Med und Kuoni, abgesehen vom Fokus auf das Premiumsegment, wenige Gemeinsamkeiten. Die augenfälligste ist Richelieu Finance: Der Vermögensverwalter ist an beiden Firmen beteiligt: 6,90% bei Club Med, 2,99% bei Kuoni.

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Zwei mögliche Gesprächsthemen: Kuoni besitzt als letzte Ho-telanlage «Las Playitas» auf Fuerteventura, die der Reiseveranstalter zu gerne profitabel abstossen will – statt eines Verkaufs wäre auch die Verpachtung denkbar; Club Med tut sich hierzulande schwer, da der Grossteil der jährlich rund 35000 Kunden aus der Romandie stammt – für den angepeilten Durchbruch in der Deutschschweiz wäre ein zugkräftiger Partner nützlich.Was die Expansion von Club Med in der Schweiz betrifft, werden zwei Pläne bestätigt. Neben dem vierten hiesigen Resort (in Verbier VS) soll die Anlage in Villars VD ausgebaut werden. Vorgesehen sind Chalets, deren Inhaber dereinst von der Infrastruktur des bestehenden Feriendorfs profitieren sollen.

Schweizer Projekte mit Orascom

Hier kommt auch Samih Sawiris ins Spiel: Denn die Villen im Waadtland sollen laut Henri Giscard d‘Estaing wie diejenigen auf Mauritius funktionieren, wo für die vor bald einem Jahr eröffnete Luxusanlage «Plantation d’Albion» ein Joint Venture geschlossen wurde. Orascom besitzt 75,0% der 40 Eigentumshäuser und 12,5 % des Feriendorfs. Zudem gilt Club Med als Kandidat für eines der Hotels im Grossprojekt Andermatt Resort, wo Orascom der Bauherr ist.