1. Home
  2. Unternehmen
  3. Coca-Cola: «Ich bin seit über 20 Jahren mit Coca-Cola verheiratet»

Coca-Cola: «Ich bin seit über 20 Jahren mit Coca-Cola verheiratet»

CEO Fritz Bärlocher kritisiert, dass die Getränkebranche zu wenig innovativ ist. Der Markt wächst nur noch wenig. Trotzdem ist er optimistisch, da der Unterwegs-Konsum zulegt.

Von Interview: Gret Heer
am 22.06.2004

Was haben Sie über Mittag getrunken?
Fritz Bärlocher: Ein Coca-Cola light.

Weshalb? Ist das normale Coca-Cola mit dem vielen Zucker zu ungesund?
Bärlocher: Überhaupt nicht, aber ich bevorzuge Coca-Cola light, weil ich auf Kalorien achte.

Mit anderen Worten: Das normale Coca-Cola macht dick.
Bärlocher: Nein, aber ich trinke bis zu 3 Liter pro Tag, darum greife ich lieber zur Lightversion.

Konsumentenorganisationen kritisieren Coca-Cola als Dickmacher und wollen gegen Ihr Mutterhaus vorgehen.
Bärlocher: Das ist doch Quatsch. Der Mensch braucht Flüssigkeit und Kohlenhydrate. Zucker hat es in vielen anderen Nahrungsmitteln auch. Zum Beispiel haben Fruchtsäfte mehr Kalorien als Coca-Cola. Das wesentliche Problem ist: Wir essen und trinken heute immer noch oder sogar mehr als früher, aber leben nicht mehr wie damals. Wir leiden unter Bewegungsmangel. Man könnte auch sagen: Computerspiele und Fernsehen sind daran mitschuldig, dass heute manche Kinder zu dick sind.

Das Image von Coca-Cola leidet auch unter dem Skandal, dass Coca-Cola in England Leitungswasser als Mineralwasser verkauft hat. Was unternehmen Sie dagegen?
Bärlocher: Das betrifft England und kann hier nicht vorkommen. Aber wir müssen damit leben, dass wir weltweit der bekannteste Markenartikel sind und negative Schlagzeilen über uns gerne schnell Verbreitung finden.

Weshalb betonen Sie nicht stärker, dass Coca-Cola im Grunde eine Schweizer Firma ist? Produziert wird ja zu 90% in der Schweiz.
Bärlocher: Ja, einerseit gibt es Coca-Cola seit 1936 in der Schweiz und unsere Getränke werden auch zum grössten Teil hier produziert. Dazu beschäftigen wir hier auch mehrere hundert Mitarbeiter. Andererseits ist Coca-Cola Beverages Tochter einer griechischen Firma, der Helenic Bottling Company, mit Sitz in Athen, die auch dort an der Börse kotiert ist. Die Coca-Cola Company ist eine amerikanische Firma, gibt uns die Lizenz und ist zu 20% an CCHBC beteiligt.

Wie viel müssen Sie für die Lizenz zahlen?
Bärlocher: Wir kaufen das Konzentrat von der Coca-Cola Company. Mit jedem Liter, den wir verkaufen, partizipiert das Mutterhaus. Wie viel das ausmacht, bleibt natürlich geheim.

Wem gehört eigentlich die Helenic Bottling Company?
Bärlocher: Hauptaktionär sind zwei griechische Familien mit rund 40% am Aktienkapital. CCHBC ist in Griechenland die drittgrösste Firma bezüglich Umsatz. Rund 70% des Aktienkapitals sind in festen Händen, der Rest breit an den Börsen in Athen, London, Sydney und New York gestreut.

Sie sind ein alter Fuchs im Schweizer Getränkemarkt.
Bärlocher: Das stimmt. Ich bin seit über 20 Jahren mit Coca-Cola «verheiratet».

Was hat sich in den letzten Jahren verändert?
Bärlocher: Die 80er Jahre waren unsere grossen Wachstumsjahre. Es war das Jahrzehnt der alkoholfreien Getränke, der Süssgetränke. Wir sind jedes Jahr zweistellig gewachsen und haben damals unser Volumen innerhalb von zehn Jahren verdreifacht. Die 90er Jahre waren das Jahrzehnt der Mineralwasser. In diesen Jahren sind wir durchschnittlich noch 4 bis 5% gewachsen, und heute legen wir zwischen 1 bis 3% zu. Heute ist das Wachstum generell schwieriger geworden. Der Gesamtmarkt wächst nur noch 2%.

Weshalb?
Bärlocher: Das Bevölkerungswachstum ist zurückgegangen. Die Alterspyramide entwickelt sich hin zu den älteren Jahrgängen. Die Jungen, die vor allem zu unseren Produkten greifen, werden anteilsmässig immer weniger, und innerhalb der Getränke besteht ein Trend zu Mineralwasser und Eistee, die extrem populär wurden. Andererseits gibt es einen Trend in Richtung Nischenprodukte wie Energydrinks oder Alcopops.

Und wohin geht die Reise zu Beginn des 3. Jahrtausends?
Bärlocher: Heute besteht eine grosse Vielfalt. Der Wassermarkt wächst aber immer noch überdurchschnittlich. Eine starke Zunahme verzeichnen auch Sport- und Energygetränke. Wir waren jüngst sehr erfolgreich mit Fanta, aber auch Rivella grün legt zu. Das Wachstum des Getränkemarktes hat sich etwas abgeschwächt gegenüber den extrem starken 80er und 90er Jahren. Seit letztem Jahr zeichnet sich aber wieder eine Trendwende ab. Dank dem guten Sommer wuchs der Gesamtmarkt für alkoholfreie Getränke – nach Nielsen – im Jahr 2003 um 13%.
Wie wollen Sie das Wachstum ankurbeln?
Bärlocher: Unsere Branche ist immer noch zu wenig innovativ. Die grösste Innovation war vor 100 Jahren Coca-Cola. Bahnbrechend in der Schweiz war auch die Innovation von Rivella, dann kam Coca-Cola light anfangs der 80er Jahre, und die letzte bedeutende Innovation war wahrscheinlich Redbull. Jetzt ist Coca-Cola wieder daran, etwas Innovatives auf den Markt zu werfen wie damals Coca-Cola light. Wir müssten mehr Mut zu Neuheiten haben.

Was haben Sie im Köcher?
Bärlocher: Das wollen wir noch nicht verraten.

Ihre letzten Neuheiten wie Vanille Coke und Coca-Cola light Lemon laufen aber nicht speziell gut.
Bärlocher: Der Absatz entspricht unseren Erwartungen, könnte aber durchaus noch stärker sein. Wir glauben daran, dass sich hier noch einiges bewegt.

Wie viel setzen Sie im Handel und wie viel im Gastrobereich ab?
Bärlocher: Je 50%. Es ist ein grosser Vorteil, in zwei Geschäftsfeldern tätig zu sein. Denn im Handel allein wären wir von den Grossen abhängig. Wir sind froh um die Gastronomie, auch wenn dieser Absatzkanal sehr aufwendig in
der Bearbeitung und derzeit grossen Veränderungen unterworfen ist.

Im Detailhandel ist der Hauptabnehmer Coop.
Bärlocher: Vom Gesamtvolumen setzten wir gegen 20% über Coop ab.

Sie wollen künftig auch bei Migros verkauft werden. Damit wird Ihr Geschäft mächtig angekurbelt. Denn der Plafond ist mit Coca-Cola in den bisherigen Kanälen erreicht?
Bärlocher: Der Schritt in die Migros-Regale würde neue Impulse bringen. Aber wir waren in den letzten Jahren nicht untätig und haben stark diversifiziert. Wir bieten neben Coca-Cola andere Süssgetränke an wie Fanta oder Sprite, Icetea Nestea, ein Joint Venture mit Nestlé, Fruchtsäfte wie MinuteMaid und jetzt Sportgetränke wie Powerade. Wir sind heute ein Gesamtanbieter von alkoholfreien Erfrischungsgetränken. Diese Diversifikationsstrategie fahren wir seit rund zehn Jahren.

Wie gross ist der Umsatz ihrer Firma?
Bärlocher: 340 Mio Liter bei Coca-Cola Beverages und 136 Mio Liter bei Valser.

Sie geben die Umsätze in Franken nicht bekannt. Was haben Sie zu verbergen?
Bärlocher: Genaue Umsatzzahlen geben wir als Tochtergesellschaft von CCHBC nicht bekannt. Er liegt in der Grössenordnung von 400 Mio Fr.

Und wie viel stecken Sie in die Werbung?
Bärlocher: Für das Marketing wenden wir gemeinsam mit der Coca-Cola AG etwa 30 Mio Fr. auf.

Eine Ihrer Diversifikationen ist das Mineralwasser Valser, das Coca-Cola gekauft hat. Mit Valser wollen Sie ins Ausland expandieren, doch die Expansion läuft harzig.
Bärlocher: Das kann man so nicht sagen. Schon heute ist Valser das grösste Mineralwasser der Schweiz, das exportiert wird, vor allem in den süddeutschen Raum. Valser besitzt aber noch viel grösseres Potenzial. Über Schwestergesellschaften im Ausland können auch noch weitere Länder dazukommen. Dies wird Schritt für Schritt geschehen.

Neuerdings auch in den russischen. Weshalb gerade Russland?
Bärlocher: Das ist ein riesiger Markt. Moskau und St. Petersburg allein haben zusammen 14 Mio Einwohner, also doppelt so viel wie die Schweiz. Valser wird bald darüber berichten können.

Ist das angesichts der weiten Transportwege ökologisch nicht unsinnig?
Bärlocher: Evian können Sie in Australien kaufen. Es besteht ein Bedarf nach Schweizer Wasser in Russland, das könnte ein Exportschlager werden wie Toblerone.

Was hat sich für Valser seit der Übernahme geändert?
Bärlocher: Valser hatte früher nur wenige Verkäufer, welche in erster Linie die Getränkegrossisten besuchten. Bereits seit 20 Jahren besteht eine Zusammenarbeit von Coca-Cola Beverages mit Valser. Diese ist heute noch viel enger, vor allem auf Verkaufsebene.

Weltweit ist Pepsi ein starker Konkurrent. Wer sind Ihre grössten Konkurrenten in der Schweiz?
Bärlocher: Gesamthaft gesehen sind beim Mineralwasser Migros und Henniez die grössten Mitbewerber, dann Rivella bei den Softdrinks.

Der Fruchtsaft Minute Maid läuft harzig.
Bärlocher: Der Gesamtmarkt der Fruchtsäfte ist hart umkämpft und wächst praktisch kaum.

Also sieht die Zukunft des Getränkemarkts eher düster aus?
Bärlocher: Nein, überhaupt nicht. Der Markt wird nicht mehr wie in den 80er Jahren automatisch zweistellig wachsen. Aber der gute Trend aus dem letzten Sommer hält an. Süssgetränke sind per Ende März 2004 gemäss Nielsen um 7% gewachsen, gemäss der Industriestatistik sogar um 9%. Der Unterwegs-Konsum wird weiter zulegen. Der Konsument ist 24 Stunden in Bewegung, man isst und trinkt
den ganzen Tag. Die wichtigsten Wachstumskanäle sind die Verpflegung am Arbeitsplatz, Tankstellen und andere Convenience-Shops sowie der Freizeitmarkt.

Anzeige