Die Privatbank Julius Bär spielt die Wahrscheinlichkeit eines Übernahmeangebots an die Tessiner Privatbank BSI herunter. Dies erklärte Bär-Chef Boris Collardi gegenüber der «Financial Times». Gleichwohl habe er ein Auge auf den Schweizer Markt. Die Konsolidierung im hiesigen Bankensektor sei nicht vorbei, es werde noch einige Deals geben, sagte er.

Nachdem die BTG Pactual einem Medienbericht zufolge auf der Suche nach einem Käufer für BSI sein soll, schiessen die Gerüchte, wer der Käufer sein wird, ins Kraut. Den Spekulationsreigen eröffnet hat RSI (Radiotelevisione Svizzera), das unter Berufung auf mit der Sache vertrauter Personen die italienische Intesa Sanpaolo und die Privatbankengruppe Julius Bär ins Spiel brachte. Auch sollen einige chinesische Institute an BSI interessiert sein.

BSI-Besitzerin braucht Geld

Ein Sprecher von Julius Bär wollte die Gerüchte gegenüber AWP nicht kommentieren. Gegen ein Engagement spreche aber schon der Umstand, dass BSI bereits vor dem Kauf durch BTG Pactual eine lange Zeit zum Verkauf stand und Julius Bär schon damals nicht zugeschlagen habe, sagte wiederum ein Bankenkenner zu AWP.

Die Besitzerin von BSI, die brasilianische Investmentbank BTG Pactual, versucht gemäss der «Financial Times», Liquidität zu schaffen, nachdem deren früherer Chef André Esteves im vergangenen Monat aufgrund von Korruptionsvorwürfen verhaftet wurde. Das soll den Spekulationen zufolge durch den Verkauf der erste Mitte 2014 erworbenen BSI oder der brasilianische Inkassofirma Recovery do Brasil realisiert werden.

Keine Grossfusion

Collardi sprach sich im Gespräch mit der «Financial Times» auch klar gegen eine Fusion mit einem grossen Konkurrenten aus. Viele Kunden seien von UBS und Credit Suisse zu Bär gewechselt, weil sie nicht bei einer Grossbank sein wollten. Während die Bär-Aktionäre einer Übernahme der Bank wohl viel abgewinnen könnten, gebe es für ihn keinen Grund, einem solchen Deal gegen den Willen der Belegschaft zuzustimmen.

Stattdessen sucht Collardi nach Objekten in China und Brasilien. Im Auge habe der Finanzverwalter dabei vor allem Technologiefirmen, die sich auf den Finanzbereich spezialisiert habe, sagte der Bankenchef. 

Millioneninvestment in China

«Wir haben eine lange Liste von Firmen erstellt und einige besucht, um sicherzustellen, dass sie auch wirklich existieren», sagte Collardi. Er gehe davon aus, in China etwa 100 Millionen Dollar zu investieren. Auf dem Zettel habe er etwa Anbieter von Apps für den Finanzbereich oder Online-Vermögensverwalter.

Aber auch andere Länder wie Brasilien oder Mexiko seien attraktiv für Zukäufe, sagte Collardi. Bereits jetzt stammt rund die Hälfte der von Bär verwalteten Vermögen von Kunden aus Schwellenländern. Die dortige Krise hatte das Neugeldwachstum in den ersten zehn Monaten 2015 unter das mittelfristige Zielband von vier bis sechs Prozent gedrückt.

(awp/ise/ama)

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