Der Commerzbank droht Gerüchten zufolge beim Blitz-Stresstest der europäischen Bankenaufsicht eine böse Überraschung. Die Kapitallücke könnte sich laut Medienberichten auf rund 5 Milliarden Euro belaufen. Ein Sprecher wollte das nicht kommentieren.

Nach bisherigen Berechnungen liegt der zusätzliche Kapitalbedarf bei 2,9 Milliarden Euro. Commerzbank-Finanzchef Eric Strutz hatte aber bereits Anfang des Monats gesagt, dass sich dieser Wert noch verändern könnte. Die Aktie der Commerzbank geriet weiter unter Druck und verlor bis zum frühen Nachmittag mehr als 10 Prozent an Wert.

Entscheidend ist, welche Anforderungen die Bankenaufsichtsbehörde EBA letztlich anwendet. Die Aufseher wollten die Bedingungen zuletzt verschärfen. Das lehnen viele Politiker aus Deutschland allerdings ab. Ein grösserer Kapitalbedarf könnte dazu führen, dass viele Institute zu Kapitalerhöhungen oder gar neuerlichen Staatshilfen greifen müssen. Die Ergebnisse des Stresstests sollten ursprünglich bereits in der vergangenen Woche vorliegen. Als neue Veröffentlichungstermine werden der 25. und der 30. November gehandelt.

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Blitz-Stresstest

Den Blitz-Stresstest hatte die europäische Politik beim letzten Krisengipfel Ende Oktober vereinbart. Die EBA soll ermitteln, wie viel Geld die Institute brauchen, um bis Ende Juni 2012 auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen, wenn alle Staatsanleihen zu Marktpreisen bewertet werden. Die Politik hofft, so Vertrauen in die Stabilität der Banken zu schaffen.

Ersten vorläufigen Zahlen zufolge sah die EBA einen Kapitalbedarf von 106 Milliarden Euro bei den Banken. Die meisten Institute hatten sich optimistisch gezeigt, dies aus eigener Kraft zu schaffen. Lediglich die italienische Grossbank Unicredit kündigte bereits eine Kapitalerhöhung an, die 7,5 Milliarden Euro bringen soll. In Deutschland sahen die Aufseher bislang einen Kapitalbedarf von 5,2 Milliarden Euro. Betroffen sind neben der Commerzbank, die Deutsche Bank, die LBBW und die NordLB.

Pläne der Commerzbank

Die in der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank wollte die Lücke etwa dadurch schliessen, dass sie sich von Randgeschäften trennt und die Risiken schneller abbaut. Zudem dürfen Teile der Bank vorübergehend keine neuen Kredite ausgeben. Im dritten Quartal hatte das Institut wegen neuerlicher Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen einen Verlust von fast 700 Millionen Euro verbucht. Bank-Chef Martin Blessing hatte eine neuerliche Staatshilfe ausgeschlossen. Das wolle er sich nicht mehr antun.

Experten hatten bei den europäischen Banken angesichts der Schuldenkrise einen viel höheren Kapitalbedarf gesehen als die von der EBA zunächst angegebenen 106 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds sah etwa einen Kapitalbedarf von 200 Milliarden Euro, Analysten der britischen Grossbank Barclays sogar bis zu 340 Milliarden Euro. Der Stresstest ist stark umstritten - Experten bemängeln, dass die Kriterien vor allem ein politisch gewünschtes Ergebnis liefern sollen. Damit aber verfehle der Test das Ziel, Vertrauen in die Banken zu schaffen.

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Banken fühlen sich übefordert

Die Banken fühlen sich von Regulierungsschritten überfordert. «Es fördert nicht gerade das Vertrauen, wenn quasi über Nacht völlig neue Anforderungen aus dem Ärmel geschüttelt werden und dadurch eine komplett überflüssige Diskussion über eine mögliche Zwangskapitalisierung losgetreten wird», sagte der Präsident des Bundesverband deutscher Banken, Andreas Schmitz, am Montag.

(kgh/laf/sda)