Commerzbank-Chef Martin Blessing dürfte an der Hauptversammlung am Mittwoch in Frankfurt am Main einmal mehr auf die jüngsten Erfolge des teilverstaatlichten Instituts verweisen: Das gigantische Kapitalloch von 5,3 Milliarden Euro konnte ohne erneute Staatshilfe vorzeitig geschlossen werden, im Kerngeschäft gab es zu Jahresbeginn einige Lichtblicke.

Doch schon aus Gegenanträgen zur Hauptversammlung ist herauszulesen, dass sich etliche Aktionäre damit nicht zufriedengeben werden. Sie machen Blessing verantwortlich für eine «desaströse Geschäfts- und Kursentwicklung» - insbesondere nach der riskanten Dresdner-Bank- Übernahme mitten in der Krise 2008.

Der Aktionär Riebeck-Brauerei fordert erneut, Blessing das Vertrauen zu entziehen: Die Bank sei «vor allem ein Dauersubventionsfall für Aktionäre und Staat».

Abstimmung über Massnahmen für bessere Kapitalstruktur

Kontrolliert werden soll die Commerzbank künftig auch vom ehemaligen EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell. Auf der Tagesordnung der Hauptversammlung steht die Wahl der Österreicherin in den Aufsichtsrat. Tumpel-Gugerell, die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) bis zu ihrem turnusgemässen Ausscheiden Ende Mai 2011 für Personal zuständig war, soll im Commerzbank-Aufsichtsrat Generali-Manager Sergio Balbinot ersetzen.

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Die Hauptversammlung soll zudem über weitere Massnahmen zur Verbesserung der Kapitalstruktur abstimmen. Das Management will möglichst flexibel mit den Stillen Einlagen des Versicherers Allianz (750 Millionen Euro) und des Bankenrettungsfonds Soffin (1,7 Milliarden Euro) umgehen können, denn die Soffin-Einlage wird nur noch bis Ende 2017 als Krisenpuffer anerkannt. Die Commerzbank will sich daher auch die Möglichkeit einer weiteren Kapitalerhöhung schaffen.

(tno/awp)