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Kapitaldecke
Commerzbank dürfte Stresstest bestehen

Blick auf den Turm der Commerzbank in Frankfurt: Das Geldhaus ist auf gutem Weg.   Keystone

Europas Banken müssen derzeit ihre Stabilität beim Stresstest der EZB unter Beweis stellen. Laut Insidern dürfte die Commerzbank den Gesundheitscheck überstehen – trotz Ramschpapieren in der Bilanz.

Veröffentlicht am 13.10.2014

Die von Analysten als Wackelkandidat eingestufte Commerzbank hat den Gesundheitscheck der Europäischen Zentralbank (EZB) Insidern zufolge bestanden. Das zeichne sich nach den vorläufigen Ergebnissen ab, die die Aufseher den deutschen Banken in der vergangenen Woche erläutert haben, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. «Nach den Aufsichtsgesprächen deutet nichts darauf hin, dass die Commerzbank durchgefallen sein könnte», sagte einer der Insider am Montag.

Die zweitgrösste deutsche Bank hat milliardenschwere Bestände an riskanten Immobilien- und Schiffskrediten in der Bilanz, die von der im Stresstest simulierten Krise stark betroffen sein könnten. Doch die Kapitaldecke der Commerzbank reicht offenbar aus, um das abzufedern. Die Commerzbank-Aktie legte um mehr als drei Prozent zu.

«Rückschlüsse sind spekulativ»

Die EZB und die Londoner EU-Bankenaufsicht EBA prüfen in dem zweistufigen Test, ob die grossen europäischen Geldhäuser vor der Übernahme der direkten Aufsicht durch die EZB stabil genug sind. Offizielle Ergebnisse für alle rund 130 Teilnehmer an der Belastungsprobe sollen am 26. Oktober vorgestellt werden.

Die EZB wollte sich zu den Informationen nicht äussern. Eine Sprecherin sagte aber, alle Rückschlüsse auf den Ausgang des Tests seien hochspekulativ, weil noch keine endgültigen Zahlen vorlägen. Notenbanken, Aufseher und Banken feilschen noch bis zur letzten Minute um die Bewertungen in ihren Büchern. Die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme ab.

Ratingagentur Fitsch ist zuversichtlich

24 deutsche Banken mussten sich zunächst einer Prüfung ihrer Bilanzen (AQR) von 2013 unterziehen, die im Auftrag der EZB von der Unternehmensberatung Oliver Wyman organisiert worden war. Keine deutsche Bank werde jetzt noch ein echtes Loch in ihrer Kapitaldecke stopfen müssen, hiess es im Umfeld der Prüfer. Zahlreiche Banken in Europa haben ihre Kapitalausstattung im Jahresverlauf schon aufgebessert.

Der Immobilienfinanzierer Münchener Hyp etwa hatte zwar einräumen müssen, dass er zum Stichtag 31. Dezember 2013 nicht auf die von der EZB geforderten acht Prozent hartes Kernkapital gekommen war - Er sammelte aber im Frühjahr rund 400 Millionen bei seinen Mitgliedern ein. Die DZ Bank holte sich 1,5 Milliarden Euro frisches Kapital bei den Mitgliedsbanken, die Deutsche Bank sogar 8,5 Milliarden Euro bei ihren Aktionären.

Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass europaweit die meisten Banken bestanden haben. Und bei denen, die durch den Test fielen, seien die Probleme, die noch Ende 2013 bestanden hatten, inzwischen behoben. Allein im ersten Halbjahr 2014 hätten die Teilnehmer am Bilanzcheck 31 Milliarden Euro frisches Eigenkapital aufgenommen.

«Schon jetzt ein Erfolg»

EZB und Bundesbank zogen bereits vor Veröffentlichung der Ergebnisse ein positives Fazit des Bankenchecks: «Schon jetzt steht fest, dass die Übung ein Erfolg ist, weil die europäischen Banken ihre Bilanzen mit rund 200 Milliarden Euro gestärkt haben», sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dem «Handelsblatt» vom Montag.Das Bankensystem sei dadurch «schon heute sicherer».

EZB-Präsident Mario Draghi hofft, dass die Kreditvergabe ab Anfang 2015 anzieht, wenn die Banken ihre Bilanzen bereinigt haben und die jüngsten geldpolitischen Schritte der Zentralbank Wirkung entfalten.

Nach dem Bilanzcheck prüften EZB und EBA die Widerstandsfähigkeit der europäischen Grossbanken in einer Krise. So mussten die Institute etwa nachweisen, dass sie auch nach einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise in drei Jahren noch ausreichend Eigenkapital hätten. Gefordert sind 5,5 Prozent der Bilanzrisiken. Für Deutschland hatte die EZB unter anderem eine Rezession, eine anhaltende Schiffskrise und einen Einbruch der Immobilienpreise angenommen.

Die HSH Nordbank als einer der grössten Schiffsfinanzierer hatte selbst vor dem Risiko gewarnt, dass sie die Anforderungen der Prüfer nicht erfüllen könnte. Bei ihr - wie bei allen anderen Landesbanken - wären neue Kapitalspritzen von Stadt und Land als mögliche Staats-Beihilfen ein Fall für die EU-Kommission. Dagegen dürfte der Immobilienfinanzierer Aareal Bank den Gesundheitscheck laut Insidern ebenfalls bestanden haben.

EZB übernimmt Aufsicht

Die EZB übernimmt am 4. November die direkte Aufsicht über die grossen Geldhäuser der 18 Euro-Länder. Damit soll verhindert werden, dass die Aufsichtsbehörden in den einzelnen Ländern auch künftig aus nationalen Interessen ein Auge zudrücken. Institute, die die Bilanzprüfung oder den Stresstest nicht bestanden haben, müssen dann binnen zwei Wochen einen Plan vorlegen, wie sie die Löcher stopfen wollen. Bei einem echten Bilanzloch müssen sie in sechs Monaten Risiken abbauen oder Eigenkapital aufnehmen.

Ergibt sich nur unter den Bedingungen des Stresstests eine Lücke, haben die Banken für deren Schliessung neun Monate Zeit - und können auch auf andere, billigere Kapitalinstrumente zurückgreifen, die ihnen über eine Krise hinweghelfen würden. Vor diesem Hintergrund sagte ein Manager eines grossen deutschen Finanzinstituts: «Mit einem schlechten Stresstest-Ergebnis könnten wir leben, mit einem schlechten AQR-Ergebnis nicht.»

(awp/dbe/me)

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