Die teilverstaatlichte Commerzbank muss sich Geld beschaffen – viel und schnell. 5,3 Milliarden Euro sind es ganz genau, die den Deutschen fehlen, um die verschärften Eigenkapitalvorschriften erfüllen zu können. Was das Management dabei auf jeden Fall vermeiden will, sind weitere Staatshilfen.

So hat die Bank gestern vermelden können, dass sie eigenkapitalähnliche Papiere im Wert von 1,27 Milliarden Euro zurückkaufen konnte. Weil deren Wert im Zuge der Krise zuletzt deutlich unter dem Nennwert gehandelt worden waren, erzielte sie sogar einen Buchgewinn.

Auf die Kernkapitalquote, die sogenannte «Core Tier 1, hat diese Transaktion einen positiven Einfluss von mehr als 700 Millionen Euro. Nicht genug für Chintan Yoshi von Nomura, der die Aktie mit «Reduzieren» einstuft – das Kursziel setzt er auf 1 Euro. Mit anderen Worten: Yoshi rechnet in den kommenden 12 Monaten mit einem weiteren Kurseinbruch von rund 30 Prozent.

Uneinigkeit bei der Einschätzung

Auffällig ist nach wie vor die grosse Bandbreite, was die Erwartungshaltung anbelangt. Die vom Finanzinfodienstleister Bloomberg befragten Analysten teilen sich in praktisch drei gleich grosse Gruppen auf: 10 Mal erhält die Commerzbank-Aktie ein Kaufen-Rating, 13 Mal eine neutrale Einstufung («Hold») – und 14 Mal raten Analysten zum Verkauf.

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Durchschnittlich steht das Kursziel bei 2.14 Euro. Zum Vergleich: Aus heutiger Optik würde das einer Verdopplung des Wertes entsprechen – noch 2007 aber notierte die Commerzbank-Aktie bei über 30 Euro.

Allerdings ist die Finanzgemeinde mit ihren Einschätzungen pessimistischer als je zuvor: Das durchschnittliche Kursziel befindet sich seit Anfang des Jahres auf einem regelrechten Sinkflug.

Luft nach erstem Befreiungsschlag

Immerhin hat sich die Commerzbank mit den Lösungsansätzen zur Befreiung aus der misslichen Lage etwas Luft verschafft: Die Aktie gewinnt am heutigen Handelstag fast 5 Prozent an Wert. Dazu beigetragen haben dürften auch Gerüchte, wonach die Bank dabei sei, Teile der Immobilien- und Staatsfinanzierungstocher Eurohypo an den Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin abzugeben.

«Die Transaktion müsste so strukturiert werden, dass sie nicht als Staatshilfe wahrgenommen wird», wurde eine offensichtlich mit den Plänen vertraute Person von der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswire zitiert. Fakt ist: Mit der Zukunft der Eurohypo steht und fällt das Sanierungskonzept der Commerzbank – eine Auslagerung wäre eine effiziente Lösung. Und vorallem: schnell.

(vst/laf)