Die Commerzbank schlägt ein grosses Paket ausfallgefährdeter Schiffskredite los und kommt damit beim Ausmisten ihrer Bilanz voran. Neun von der Bank finanzierte Containerschiffe würden an eine Gemeinschaftsunternehmen des Finanzinvestors KKR und der britischen Schiffsfirma Borealis Maritime verkauft, teilte das zweitgrösste deutsche Geldhaus mit. Mit dem Geschäft treibe die Commerzbank den «wertschonenden Abbau» ihres zuletzt noch 13 Milliarden Euro schweren Schifffahrtsportfolios voran, sagte Commerzbank-Manager Stefan Otto der Nachrichtenagentur Reuters.

Er wollte sich nicht dazu äussern, wie stark das Eigenkapital durch das Geschäft entlastet wird und ob die Bank Verluste beim Verkauf hinnehmen musste. Insgesamt habe die Bank für die Schiffe Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 160 Millionen Euro vergeben, erklärte das Geldhaus lediglich. Auf die Gewinn- und Verlustrechnung im dritten Quartal werde die Transaktion keine wesentlichen Auswirkungen haben.

Schifffahrt in der Krise

Die Schifffahrt steckt wegen Überkapazitäten, gestiegener Treibstoffkosten und des mauen Welthandels seit gut fünf Jahren in der Krise. Die Commerzbank hat Mitte 2012 den Ausstieg aus dem Segment angekündigt und will ihr Portfolio Schritt für Schritt abbauen. Neben dem Auslaufen von Krediten setzt das Geldhaus dabei auch auf den Verkauf von Schiffen. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2014 hat die Commerzbank nach eigenen Angaben rund 70 Schiffe mit einem gesamten Kreditvolumen von rund 530 Millionen Euro veräußert.

Der am Mittwoch verkündete Verkauf von neun Containerschiffen ist für die Commerzbank der zweite grosse Deal nach der Veräusserung von 14 Chemikalientankern im Dezember 2013. Auch die HSH Nordbank hat schon von der Pleite bedrohte Schiffe losgeschlagen und arbeitet an weiteren Deals, wie HSH-Chef Constantin von Oesterreich Ende 2013 im Reuters-Interview sagte. Andere Schiffsfinanzierer wie die NordLB, die KfW und DVB Bank setzen stärker darauf, Schiffe in Eigenregie durch die Krise zu bringen.

EZB fordert strengere Bewertung der Schiffskredite

Finanzinvestoren wie KKR, Oaktree und Apollo stehen schon länger bereit, um Banken faule Schiffskredite abzukaufen. Sie setzten darauf, dass sie durch ein besseres Management der Schiffe und eine Erholung der Märkte am Ende mehr Geld von den Gläubigern zurückbekommen als sie für die Kredite bezahlt haben.

Viele Geldhäuser sind dagegen froh, wenn sie faule Schiffskredite von der Bilanz kriegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Banken in ihrem branchenweiten Fitnesscheck zu einer deutlich strengeren Bewertung ihrer Schiffskredite zwingen, wie die Nachrichtenagentur Reuters vor zwei Wochen exklusiv berichtet hatte.

(reuters/dbe)

Anzeige