Die deutsche Wirtschaftspresse nannte es «Bescherung»: Knapp eine halbe Billion Euro hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken kurz vor Weihnachten zur Verfügung gestellt – und insbesondere die deutschen Banken vollzogen regelrechte Kurssprünge.

Die EZB-Aktion hat natürlich zum Ziel, die Refinanzierung für die Banken zu vereinfachen – sie stellt dem Markt allerdings insofern kein gutes Zeugnis aus, als dass das Eingreifen auch als Bestätigung des grossen Misstrauens der Banken untereinander zu werten ist.

Die deutlichen Kursavancen – allen voran bei der Commerzbank – zeigen, dass risikofreudige Anleger das Signal durchaus positiv werten. Entsprechend hat auch die Analystenschar in den Chor eingestimmt: Erstmals seit Juli ist der Durchschnitt der vom Finanzdienstleister Bloomberg errechneten Kursziele für die Commerzbank wieder gestiegen.

Allerdings - uneinig sind sich die Analysten nach wie vor: Während Exane BNP Paribas das Kursziel am Dienstag auf satte 3.70 Euro festlegte, stehen am anderen Ende der Spanne nach wie vor Nomura und RBS, die einen Absturz auf 1 Euro in den kommenden 12 Monaten prognostizieren. Exane BNP Paribas betonte, dass die Intervention der EZB zwar kein echter Ersatz für private Refinanzierungen sei, dennoch das Risiko eines «Bank Runs» gemindert habe.

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Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird natürlich sein, ob die Commerzbank im Zuge der dringend benötigen Stärkung der Kernkapitalquote ohne weitere Kapitalerhöhung und folglich einer weiteren Verwässerung für die Aktionäre durchkommt – Staatshilfen will die Bank bekanntlich unter allen Umständen vermeiden, vom Tisch ist das Thema keineswegs.

Für Anleger wenig vertrauensbildend dürfte das vergangene Woche von der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» publizierte Ergebnis einer internen Befragung: 32 Prozent von rund 25'000 Commerzbank-Mitarbeitenden würden das Institut ihren Freunden und Bekannten ausdrücklich nicht empfehlen.

(vst/laf)