Die Resultate des jüngsten Banken-Stresstests schockierten schon gar nicht mehr: 5,3 Milliarden Euro beträgt das Loch bei der Commerzbank, die sich besonders stark in den Krisenregionen positioniert hatte. Die bereits teilverstaatliche Bank will neuerliche Hilfe des deutschen Staates zwar vermeiden, doch herrscht allenthalben grosses Rätselraten darüber, wie ihr dies gelingen soll.

Zumindest auf dem Papier sehen die ergriffenen Massnahmen einleuchtend aus: Die Bilanzrisiken sollen um 30 Milliarden Euro zurückgefahren werden, Randgeschäfte sollen über Bord geworfen werden - und künftige Gewinne wollen die Frankfurter einbehalten. Zudem hat die Commerzbank den Rückkauf von Hybridanleihen gestartet, der die Kapitallücke um immerhin 600 Millionen Euro verringern soll.

Massnahmen ernten Applaus...

Was auf den ersten Blick dem berühmten Tropfen auf den heissen Stein gleicht, findet begeisterte Anhänger: «Die Massnahme ist für Investoren ein willkommenes Signal», kommentiert beispielsweise ING-Analyst Albert Ploegh. Er stuft die Commerzbank-Aktie weiterhin mit einer Kaufempfehlung ein - Kursziel für die kommenden 12 Monate: 4.40 Euro.

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Zur Erinnerung: Auf diesem Niveau notierte die Aktie noch in diesem Frühjahr - am Freitag ging der Titel bei 1.33 Euro aus dem Handel. Mit anderen Worten: Die ING-Prognose geht von mehr als einer Verdreifachung des heutigen Aktienkurses aus. Ähnlich optimistisch tönt es bei den Analysten von Chevreux: «Outperform» - ebenfalls mit Blick auf den Anleihenrückkauf.

... und zugleich Kritik

Auffallend ist die grosse Spanne punkto Kursziel-Erwartungen: «Die bisher begonnenen Massnahmen genügen nicht», konstatiert Matthias Engelmayer von Indepent Research. Er rät für die Commerzbank-Aktie selbst auf heutigem Niveau noch zum «Verkaufen» - allerdings ist das Kursziel von 1.10 Euro nicht mehr allzu weit von diesem entfernt.

Noch 2007 war der Titel über 30 Euro wert, den Tiefstand notierte die Aktie erst kürzlich bei 1.15 Euro. Die Gründe für den Kursverfall sind rasch erzählt: Zur allgemeinen Schräglage bei Finanzinstituten im Zuge der Wirtschafts- und Schuldenkrise hatte sich die Commerzbank mit dem Kauf der Dresdner Bank von der Allianz übernommen. Ende 2008 griff der deutsche Staat mit Milliardenbeiträgen unter die Arme.

Dax-Ausschluss als Damoklesschwert

Bis Juni 2011 haben Kapitalerhöhungen zu einer Verwässerung und folglich Kursschwächung geführt - gepaart mit dem verlorengegangenen Anlegervertrauen. Ein Befreiungsschlag wäre der Verkauf der Immobilientochter Eurohypo, aber um attraktive Erlöse erzielen zu können, ist das Umfeld alles andere als optimal.

So halten sich hartnäckig die Gerüchte über eine weitere Staatshilfe - die deutsche Wirtschaftspresse zieht bereits Parallelen zur Pleitebank Hypo Real Estate. Dies nicht zuletzt deshalb, weil auch der Kursverlauf eine beängstigende Übereinstimmung zeigt. Endgültig zum Drama dürfte die Lage dann verkommen, wenn der Aktienkurs unter 90 Euro-Cents abrutscht: Dann ist nämlich ein Ausschluss aus dem deutschen Leitindex Dax möglich - was den reihenweisen Verkauf durch Fondsgesellschaften und institutionelle Anleger nach sich ziehen würde.

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Eine gefährliche Abwärtsspirale und ein Wettlauf mit der Zeit.