Von Krise will man in der Führungsspitze der Commerzbank nichts mehr wissen. Vor den Ergebnissen des dritten Quartals wird Gelassenheit demonstriert. «Sie sehen mich lächeln», antwortete Privatkunden-Vorstand Martin Zielke sibyllinisch, als er vor einigen Tagen auf das dritte Quartal angesprochen wurde. Vielleicht, weil es nach den Analystenschätzungen so aussieht, als könnte die Commerzbank von Juli bis September mehr verdient haben als die Deutsche Bank. Knapp 90 Millionen Euro erwarten die von Reuters befragten Experten, beim Frankfurter Nachbarn reichte es nach Milliarden-Rückstellungen für Rechts-Risiken nur zu 50 Millionen. Doch bei näherem Hinsehen spielt die Nummer zwei unter den deutschen Banken in einer anderen Liga.

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Für Commerzbank-Chef Martin Blessing geht es darum, das zarte Pflänzchen Hoffnung zu hegen und zu pflegen, auf das die Anleger vor drei Monaten fast enthusiastisch reagiert hatten. Um bis zu 15 Prozent sprang die Commmerzbank-Aktie damals, weil negative Überraschungen im zweiten Quartal ausgeblieben waren und die Bank die Pessimisten auf dem falschen Fuss erwischte. «Viele Investoren sind im August von der Skeptiker-Spur auf die Hoffnungs-Spur gewechselt», sagt Metzler-Analyst Guido Hoymann. «Im Moment ist die Stimmung am Markt eher so, dass die Zahlen diese Hoffnung widerlegen müssten, um am Markt Wirkung zu zeigen.» Doch das ist am Donnerstag nicht zu erwarten, wenn die Bank über das dritte Quartal berichtet.

Wer macht künftig was in der Bad Bank?

«Schlechter kann es in vielerlei Hinsicht ja nicht mehr werden: Das Zinsniveau ist kaum noch zu unterbieten, und das Provisionsergebnis dürfte eher steigen», sagt Hoymann. «Damit wäre der Grundstein gelegt. Damit würden dann vermutlich auch die Rufe nach einem Management-Wechsel abklingen.» Seit der Aktienkurs wieder nach oben zeigt, sind die Rufe nach einer Ablösung Blessings weitgehend verstummt. In den Verhandlungen über eine Grosse Koalition in Berlin waren sie bisher kein Thema.

Aktiv hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Dienstherr über den Bankenrettungsfonds Soffin bisher nur eingemischt, wenn es um die Vorstandsgehälter ging. Der Soffin hält noch 17 Prozent an der Commerzbank, und so muss Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller am Mittwoch – noch vor dem Quartalsbericht – die undankbare Aufgabe wahrnehmen, Vorstand Ulrich Sieber per Abberufung aus dem Amt zu drängen. Rechtlich ist das mehr als umstritten. Sieber ist wie sein Kollege Jochen Klösges, der Finanzkreisen zufolge nun freiwillig gehen wird, für die interne «Bad Bank» (NCA) zuständig. Ihre Aufgaben dort sollen nun auf mehrere Vorstandsmitglieder verteilt werden.

Noch eine Schonfrist

Im Zuge dessen dürfte im Aufsichtsrat die Strategie für das zum Abbau anstehende Geschäft mit Schiffskrediten, gewerblichen Immobilien und Staatsfinanzierungen noch einmal auf dem Prüfstand stehen. Je schneller Blessing den 125 Milliarden Euro schweren Berg loswerden will, desto mehr Verluste muss er bereit sein, hinzunehmen. Doch Hoymann hält das Schlimmste für überstanden. «Dort werden die Einschläge eher kleiner.» Knapp 300 Millionen Euro Verlust wird die «Bad Bank» nach Experten-Schätzungen im dritten Quartal ausweisen.

Im operativen Geschäft werde es im besten Fall im nächsten Jahr besser, sagt der Metzler-Analyst. Der Mittelstandsbank, dem Aushängeschild der Commerzbank, fehlt in diesem Jahr rund eine halbe Milliarde Euro gegenüber dem Vorjahresgewinn. Das ist fast genau der Betrag, den die Bank mit dem Milliardenkredit an den Autozulieferer Schaeffler im Jahr verdient hatte, der beide in der Finanzkrise aneinander gekettet hatte. Nun ist die Last auf acht Banken verteilt. «Das erklärt den Rückgang, es macht die Sache aber auch nicht besser», murrt Kepler-Analyst Dirk Becker. «Mich beunruhigt zunehmend, dass die Gewinne in der Kernbank zurückgehen oder jedenfalls nicht steigen.»

Völlig verpufft

Im Privatkundengeschäft liegt das unter anderem daran, dass der Abbau von mehr als 3000 Stellen in der Sparte erst einmal 500 Millionen Euro kostet, während die neue Strategie zumindest noch nicht zählbar greift. «Die Fusion mit der Dresdner Bank ist völlig verpufft», sagt Becker. «Mit der neuen Strategie hat man sich noch einmal vier Jahre Schonfrist gegeben.»