Weil er mit Komplizen zusammen fast 340'000 Euro von Kundenkonten abgezweigt haben soll, muss sich ein ehemaliger Lehrling der Commerzbank vor Gericht verantworten. Staatsanwalt Peter Lintz warf dem 24-Jährigen vor dem Landgericht Mannheim unter anderem gewerbs- und bandenmässigen Computerbetrug vor.

Der junge Mann soll die Computer von Kollegen in seiner Filiale im nordbadischen Hockenheim so manipuliert haben, dass er deren Zugangsdaten zum EDV-System der Bank abgreifen konnte, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. So hätten die Täter die Möglichkeit gehabt, sich ec-Karten samt Geheimnummern in angemietete Postfächer schicken zu lassen, erläuterte Lintz.

Mitangeklagt ist ein 26-Jähriger, der unter anderem bei den Abhebungen an verschiedenen Geldautomaten in Süddeutschland dabei gewesen sein soll.

Bande in Internet-Untergrundforen

Schon bald nach seinem Start als Auszubildender 2009 soll der 24-Jährige in Internet-Untergrundforen mit Komplizen den Plan für die Taten entwickelt haben. Mit Hilfe der erbeuteten Zugangsdaten soll sich die Bande auch Online-Banking-Zugänge für Kundenkonten beschafft haben, um so 120'000 Euro in eigene Kanäle umzubuchen. Mit der ec-Karten-Masche hatte die Bande laut Anklage gut 217.000 Euro erbeutet.

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Um nicht aufzufliegen, hätten die Angeklagten ihr Einsatzgebiet im April 2010 gewechselt, sagte Lintz. Als angebliche Mitarbeiter einer Computerfirma «verkleidet», seien sie in Commerzbank-Filialen in Düsseldorf gegangen. «Unter dem Vorwand, das PC-System überprüfen zu müssen», hätten sie dann dort Zugangsdaten von Mitarbeitern abgegriffen.

Mit den so erbeuteten 160 EC-Karten hätten sie laut Anklage noch einmal bis zu 800'000 Euro erbeuten können – zuvor wurden sie allerdings festgenommen. Auf die Spur der Bande waren die Ermittler erst gekommen, nachdem sie bei einem der österreichischen Komplizen ein Chat-Protokoll gefunden hatten. Daraus ging hervor, dass sich der 24-Jährige damit gerühmt hatte, bei bankinternen Untersuchungen nicht aufgeflogen zu sein.

(vst)