Die Ansage ist klar: Die Commerzbank will die fehlenden Eigenmittel ohne Fremdhilfe erreichen - eine neuerliche Staatshilfe schliesst Firmenchef Martin Blessing seit Wochen kategorisch aus. Nun ist auch klar, wie zumindest 1 Milliarde der vermeintlich fehlenden 5,3 Milliarden Euro aufgetrieben werden soll. Oder präziser formuliert: Gar nicht aufgetrieben werden muss - denn das Geld ist schon da.

Wie das geht? Die Commerzbank will für die gesprochenen Kredite geringere Ausfallrisiken einsetzen, wie Recherchen der «Financial Times Deutschland» (FTD) ergeben haben. Mit anderen Worten: Die Verlustwahrscheinlichkeit auf die Darlehen wird geringer angesetzt, ohne dass sich die Rahmenbedingungen geändert haben.

Bessere Kernquote ohne frisches Kapital

Entsprechend sinkt das Risikogewicht in der Bilanz - die Kernkapitalquote steigt. «Rechtlich einwandfrei», sagen Experten - räumen gegen über «FTD» aber ein, dass dies ein Beleg für die Fragwürdigkeit interner Ratings sei.

Drastischer wird dagegen Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance: «Das ist eigentlich nicht im Sinne des Erfinders», wird er zitiert - «damit wird das System karikiert.» Analysten befürchten, dass dieses Vorgehen vor allem aus Risikoaspekten vertretbar sei.

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Die Commerzbank ist übrigens kein Einzelfall: Auch die spanischen Banken Santander und BBVA sowie die britischen Lloyds und HSBC hatten angekündigt, die internen Risikomodell - Zitat - «optimieren» zu wollen.

(vst/chb)