Eine Durchschnittsrendite von 3,5 Prozent für eine Anlage mit sechs Jahren Laufzeit? Dieses Angebot (konkret ein sogenannter Staffelzinsbrief) ist dem deutschen Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) zu grosszügig. Dieser kritisiert gemäss einem Bericht von «Euro am Sonntag» die Anbieterin - die Commerzbank. «Durch solche Angebote entsteht eine Schieflage im Marktzinsgefüge zulasten nicht staatlich geschützter Institute wie die Genossenschaftsbanken», wird BVR-Vorstandsmitglied Daniel Selle zitiert.

Für Zündstoff gesorgt hat die Neuauflage des Bankenrettungsfonds Soffin vor einer Woche. Der BVR fordert in diesem Zusammenhang, dass die teilverstaatlichte Commerzbank verschärft unter die Lupe genommen werde. Auch vom Sparkassenverband DSGV gibt es eine Schelte: Dieser moniert das «Begrüssungsgeld» von 50 Euro, das die Commerzbank Neukunden offiere. «Die Bank ist schliesslich auch mit unserer Unterstützung gerettet worden», heisst es dort.

Bei der angeschuldigten Commerzbank sieht man die Angelegenheit - wenig überraschend - deutlich lockerer. «Mit Angeboten wie 2,3 Prozent Zinsen für ein Jahr oder 50 Euro Giro-Startguthaben gewinnen wir Kunden und Geschäft», wird eine Sprecherin im Artikel zitiert. «Wenn Wettbewerber das kritisieren, zeigt das, dass wir alles richtig machen.»

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Die Commerzbank machte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Schlagzeilen: So muss sie im Zuge der verschäften Eigenkapitalvorschriften für Finanzinstitute eine milliardenschwere Kapitallücke schliessen, lehnt weitere Staatshilfen aber kategorisch ab. Zudem läuft derzeit in London ein Prozess, den Investmentbanker der 2008 übernommenen Dresdner Kleinwort angestrebt haben. Sie fordern von der Commerzbank Bonusnachzahlungen.

(vst/tno)