Commerzbank-Chef Martin Blessing tritt mit leeren Händen vor die Aktionäre. Die zweitgrösste deutsche Bank hat im ersten Quartal rote Zahlen geschrieben. Grund dafür seien Kosten von einer halben Milliarde Euro für den geplanten Abbau von bis zu 6000 Arbeitsplätzen, sagte Blessing auf der Generalversammlung in Frankfurt.

«Daher erwartet die Bank aus heutiger Sicht für die ersten drei Monate ein negatives Ergebnis nach Steuern.» Erst im kommenden Jahr seien erste Erfolge des Umbaus der Bank zu erwarten. 2013 sei ein Übergangsjahr, bekräftigte der Vorstandschef. Die Bank sei auf einem «Langstreckenlauf». «Schnelle Erfolge wird es dabei nicht geben.»

Die Commerzbank-Aktionäre sollen heute grünes Licht für eine erneute milliardenschwere Kapitalerhöhung geben, mit der die Bank die restlichen Stillen Einlagen des Bankenrettungsfonds und der Allianz zurückzahlen will. «Für die Commerzbank markiert dies zweifelsohne einen wichtigen Wendepunkt. Das ist der Einstieg des Bundes in den Ausstieg», warb Blessing für die unter Aktionären umstrittene Massnahme.

Anzeige

«Wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um die Mittel des Bundes so schnell wie möglich zurückzuführen. Das sind wir dem Steuerzahler schuldig.»

Neue Papiere unter 7 Euro?

Die Commerzbank will bei ihren Anteilseignern von Mitte Mai bis Anfang Juni 2,5 Milliarden Euro einsammeln. Denn die erhofften Gewinne, mit denen die Staatshilfen eigentlich abgelöst werden sollten, sind ausgeblieben. Das dürfte den bis auf 1,15 Euro gesunkenen Aktienkurs weiter drücken. Um überhaupt neue Aktien ausgeben zu können, sollen je zehn der 5,8 Milliarden
Commerzbank-Aktien zu einer Aktie zusammengelegt werden.

Die neuen Papiere werden nach Expertenschätzungen weniger als 7 Euro - nach heutigem Kurs also 70 Cent - kosten. Dennoch sei die Maßnahme im Sinne der Aktionäre, argumentierte Blessing. Durch die wegfallenden Zinsen von 200 Millionen Euro für die Stillen Einlagen bleibe mehr Geld für Dividenden übrig. Doch eine Ausschüttung hatte Blessing erst für 2014 in Aussicht gestellt.

Die Commerzbank rüste sich aber vor allem für die künftigen, verschärften Eigenkapitalregeln, nach denen Stille Einlagen über die Zeit nicht mehr als Kapitalpolster anerkannt werden. Durch die Kapitalerhöhung steige die harte Kernkapitalquote nach den «Basel III»-Regeln um einen Prozentpunkt. Ende 2014 seien damit die von Experten für Grossbanken geforderten neun Prozent erreichbar.

Analysten uneinig

Operativ sei die Bank in den ersten drei Monaten «solide» ins Jahr gestartet, sagte Blessing. Beim Abbau der nicht mehr zum Kerngeschäft gerechneten Portfolios in der Staats-, Immobilien- und Schiffsfinanzierung sei sie «gut vorangekommen», sagte Blessing. Eine Prognose für 2013 sei wegen der schwelenden Schuldenkrise in Europa aber schwierig. «Die Ergebnissituation der gesamten Branche wird herausfordernd bleiben.»

Das spiegelt sich auch in den Analystenschätzungen wider. Nach einer von der Commerzbank veröffentlichten Erhebung liegen die Schätzungen von 15 Experten für 2013 weit auseinander: Sie reichen von einem Nettogewinn von 1,1 Milliarden bis zu einem Verlust von fast 800 Millionen Euro.

Anzeige

(tno/reuters)