Die Spekulationen um einen Ausstieg des Deutschlands aus der Commerzbank reißen nicht ab. Innerhalb des Bankenrettungsfonds SoFFin gelte es als wahrscheinlich, dass sich der Bund bald von seinen verbliebenen 17 Prozent an dem zweitgrößten deutschen Kreditinstitut trenne, berichtete die «Wirtschaftswoche» heute Samstag vorab unter Berufung auf das Umfeld des Rettungsfonds. «Damit ist in den nächsten sechs Monaten zu rechnen», zitierte das Blatt einen anonymen Insider.

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Angesichts der im September anstehenden Bundestagswahl werden derzeit die Kandidaten durchdekliniert, die an einer Übernahme des Anteils Interesse haben könnten. Doch vor der Wahl ist eine Entscheidung so gut wie ausgeschlossen. Wann der Anteil verkauft werden könne, der nur noch 1,25 Milliarden Euro wert ist, sei «nicht absehbar», ließ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erst vergangene Woche erklären. Allerdings: In der Bundesregierung gehen die Meinungen zwischen CDU/CSU und FDP auseinander: Es sei stets das Ziel gewesen, die in der Finanzmarktkrise gewährten Staatshilfen «zeitlich so eng wie möglich zu begrenzen», sagte denn auch Schäubles Sprecherin.

Die offene Frage ist, wie hoch die Verluste ausfallen, die der Bund mit der Beteiligung einfährt. 3,8 Milliarden Euro müsste Schäuble abschreiben, würde er die Aktien jetzt auf den Markt werfen. «Es ist klar, dass man einen Verlust wird realisieren müssen», heißt es in Kreisen der Koalition. «Es ist zu befürchten, dass der Bund hohe Verluste in Kauf nimmt», sagte nun Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen, dem Magazin.

Verlässliche Gesellschafter gesucht

In Medienberichten waren zuletzt die Schweizer Großbank UBS, die spanische Santander und die französische BNP Paribas als Interessenten genannt worden. Im Umfeld der UBS wurde aber schon abgewunken. In Madrider Finanzkreisen wurde ein Einstieg von Santander ebenfalls als abwegig bezeichnet. Die Finanzaufsicht BaFin würde einem ausländischen Käufer ihren Segen nicht verweigern: «Ob Anteile an einer deutschen Bank in in- oder ausländische Hände gehen - da bin ich völlig leidenschaftslos», sagte die Präsidentin der Behörde, Elke König. «Es müssen nur verlässliche Gesellschafter sein.»

Doch ein Banker, der sich um die Branche kümmert, glaubt nicht an eine Übernahme, sondern daran, dass der SoFFin nach und nach Anteile über die Börse verkaufen wird: «Der Weg raus aus der Commerzbank führt nur über Platzierungen. Und da wird man bis zu einer gewissen Kurserholung warten», sagt er. «Wenn sie das jetzt machen, verlöre die Commerzbank ihre implizite Staatsgarantie - dann kann der Staat gleich wieder einsteigen.»

(jev/reuters)