Martin Blessing hat viel vor. «Ich will, dass unsere Mitarbeiter das Gefühl haben können, etwas Sinnvolles für die Volkswirtschaft zu tun.» Dafür muss sein Unternehmen nicht unbedingt selbstständig sein. «Selbstständigkeit ist für mich kein Selbstzweck», sagte er der «Welt am Sonntag». Ein Käufer der zweitgrössten deutschen Bank ist derzeit allerdings nicht in Sicht - als Interessenten gehandelte Konkurrenten hatten in den vergangenen Wochen reihenweise abgewunken.

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In Medien war wiederholt spekuliert worden, der deutsche Staat wolle seinen Restanteil von 17 Prozent an einen europäischen Wettbewerber verkaufen. Doch die Regierung müsste mit einem Milliardenverlust rechnen, wenn sie sich jetzt von den Papieren trennen würde: Sie sind an der Börse nur noch rund 1,8 Milliarden Euro wert. Dafür gezahlt hat der Soffin seit Ende 2008 mehr als fünf Milliarden.

UBS sagte ab

Zudem schrecken milliardenschweren Altlasten der Commerzbank in der Schiffs-, Immobilien- und Staatsfinanzierung mögliche Käufer ab. Die spanische Großbank Santander, die beiden italienischen Grossbanken UniCredit und Intesa Sanpaolo sowie die französische BNP Paribas und die UBS hatten zuletzt erklärt, die Commerzbank sei für sie kein Thema.

Wegen der schwachen Geschäftsentwicklung der Commerzbank wird Blessing in der Öffentlichkeit immer wieder kritisiert. Wiederholt wurde spekuliert, seine Tage an der Spitze der Bank seien gezählt. «Ich unterliege nicht der Illusion, dass jemand unersetzlich ist», gab sich Blessing gelassen.

Am Donnerstag ist Tag der Wahrheit

Immerhin dürfte es für die Bank, die bis 2016 rund 5200 Stellen streicht, Analystenschätzungen zufolge im dritten Quartal erneut zu einem Gewinn gereicht haben. Zehn von Reuters befragte Bankenexperten gehen im Mittel von einem Ergebnis vor Steuern von 89 Millionen Euro aus - allerdings klaffen die Prognosen mit 22 Millionen bis 268 Millionen Euro weit auseinander. In einer von der Commerzbank selbst veröffentlichten Umfrage unter 15 Analysten liegt der Mittelwert bei 63 Millionen Euro und der höchste Wert bei 115 Millionen. Das Geldhaus will seine Zahlen am Donnerstag veröffentlichen.

(reuters/se)