Der Umbau der Commerzbank kostet etwa jeden fünften Mitarbeiter in den nächsten vier Jahren den Arbeitsplatz. Im Zuge der Strategie «Commerzbank 4.0», die der Vorstand am Donnerstag dem Aufsichtsrat vorlegte, ist die Streichung von 9600 der rund 45’000 Vollzeitstellen vorgesehen, wie die Bank am Donnerstag mitteilte.

An anderer Stelle sollen bei Deutschlands zweitgrösstem Geldhaus zugleich 2300 Arbeitsplätze entstehen. Die Restrukturierung werde rund 1,1 Milliarden Euro kosten. Dafür müssen die Aktionäre bis auf weiteres auf Dividenden verzichten. Das Geschäft mit grossen Mittelständlern wird nach dem Plan mit der weiter verkleinerten Investmentbank zusammengelegt, die kleineren Unternehmen werden im Privatkunden-Segment betreut.

Fokus auf zwei Sparten

Aus bisher vier Sparten sollen zwei werden: Firmenkunden sowie Privat- und Unternehmerkunden. Die Commerzbank werde sich «konsequent auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren, 80 Prozent ihrer relevanten Prozesse digitalisieren und dadurch signifikante Effizienzgewinne erzielen».

Auch die polnische Tochter mBank, die bisher als eigenständige Sparte geführt wird, wird offenbar integriert. Im Investmentbanking will sich die Bank aus grossen Teilen des Handels zurückziehen. «Dadurch werden Ergebnisvolatilität und Risiken aus regulatorischen Änderungen verringert sowie Kapital freigesetzt und in das Kerngeschäft mit Kunden investiert», hiess es in der Mitteilung.

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700-Millionen-Abschreiber

In der bisherigen Mittelstandsbank und im Kapitalmarkt-Segment müssen deshalb rund 700 Millionen Euro abgeschrieben werden – etwa auf eigene Software und Kundenbeziehungen. Dadurch sei im dritten Quartal mit roten Zahlen zu rechnen – auch weil die Bank auf ihre Schiffskredite mehr abschreiben muss als zuletzt. Zum Jahresende will die Commerzbank aber noch knapp in der Gewinnzone bleiben.

Mit dem Umbau verbunden sind neue Renditeziele für das Jahr 2020. Angesichts der niedrigen Zinsen sei Ende 2020 aber erst eine Eigenkapitalrendite (RoTE) von sechs Prozent erreichbar - eine im Branchenvergleich niedrige Zahl. Nur wenn sich die Zinsen normalisierten, könne die Bank acht Prozent erzielen. 2015 waren es 4,2 Prozent. Die Erträge sollen binnen vier Jahren auf 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro steigen. Für das laufende Jahr trauten die Analysten der Bank zuletzt knapp neun Milliarden zu. Mit höheren Zinsen seien 2020 auch elf Milliarden Euro Erträge drin. Trotz des massiven Stellenabbaus kommt die Bank in vier Jahren unter den gegebenen Umständen nur auf eine Aufwandsquote von 66 Prozent, die über dem Branchendurchschnitt liegt.

Anleger reagieren negativ

Anleger zeigten sich wenig beeindruckt: Die Commerzbank-Aktie drehte ins Minus.

(reuters/mbü)