Die beiden grössten deutschen Banken haben sich bei der zweiten Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) offenbar kräftig bedient. Die Deutsche Bank holte sich zwischen 5 und 10 Milliarden Euro von der billigen Liquiditätshilfe, wie die «Financial Times» unter Berufung auf mehrere Quellen berichtete.

Auch die Commerzbank soll sich Marktgerüchten zufolge mit einem einstelligen Milliardenbetrag eingedeckt haben. Die Institute wollten das nicht kommentieren. Beide Geldhäuser hatten es zuvor aber bereits angedeutet, dass sie beim neuen sogenannten Drei-Jahres-Tender der EZB mitmachen wollten.

Deutsche Bank: Zurückhaltung aufgegeben

Die Deutsche Bank hatte sich bei der ersten Ausgabe im Dezember noch aus Sorge um ihre Reputation weitgehend zurückhalten. Nur die Tochter Postbank soll sich dem Vernehmen nach damals bedient haben. Auch die angeschlagene Commerzbank-Tochter Eurohypo griff damals bereits zu.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte stets betont, das Geld der EZB nicht zu benötigen. Die Bank habe keine Finanzierungsprobleme. Er erklärte zuletzt aber, sich beteiligen zu wollen, wenn es ökonomisch sinnvoll sei. Dahinter standen Befürchtungen, dass es ein Wettbewerbsnachteil wäre, das billige Geld der EZB mit einem Mini-Zinssatz von einem Prozent auszuschlagen.

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Nur etwa zehn Prozent nach Deutschland

Nach Angaben von EZB-Chef Mario Draghi kamen von den 800 Banken, die beim zweiten Tender zugriffen, 460 aus Deutschland. Vor allem regionale Institute wie Sparkassen sollen mitgemacht haben. Allerdings holten sie sich jeweils nur wenig Geld ab. Nur etwa zehn Prozent der Gesamtsumme von rund 530 Milliarden Euro floss dem Vernehmen nach nach Deutschland.

(vst/chb/awp)