Der Einstieg des Pay-TV-Senders Sky Deutschland bei seinem Sportprogramm-Zulieferer Plazamedia ist vorerst geplatzt. Der Plazamedia-Eigentümer Constantin Medien brach die Verkaufsgespräche überraschend ab. Beide Seiten seien sich nicht darüber einig geworden, zu welchen Bedingungen der TV-Produzent nach dem Besitzerwechsel den Constantin-Sender Sport1 versorgen solle, teilte das Unternehmen mit. Sky beharrt allerdings auf der im Dezember vereinbarten Übernahme: «Sky hält diese Kündigung für unwirksam», erklärte der Bezahlsender. Die Constantin-Aktien gaben mehr als sechs Prozent nach, während Sky kaum verändert notierten.

Plazamedia zählt zu den Branchenführern im deutschsprachigen Raum und kümmert sich seit Jahren um die technische Abwicklung der wichtigsten Sportsendungen von Sky etwa zur Fussball-Bundesliga, der Champions League und der Formel 1. Sky wollte die Produktion seiner wichtigsten Sendungen nicht auf Dauer einem fremden Anbieter überlassen. Der kriselnde Sport- und Kinofilm-Spezialist Constantin hatte TV-Produktionen nicht mehr zum Kerngeschäft gezählt.

Constantin nimmt Verlust in Kauf

Um das Geschäft seiner Tochter in spe abzusichern, wollte Sky auch eine Sperrminorität an Sport1 übernehmen. Der TV- und Radiosender ist der zweite Grosskunde von Plazamedia. Den gesamten Deal wollte sich Sky 57,5 Millionen Euro kosten lassen. Sky und Constantin hatten für die Transaktion bereits grünes Licht vom Bundeskartellamt erhalten.

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Für die Kehrtwende nimmt Constantin ein weiteres Jahr mit Verlusten in Kauf: Statt des bisher veranschlagten Gewinns von 13 bis 15 Millionen Euro erwartet das Unternehmen 2014 nun einen Fehlbetrag in gleicher Höhe. Der Umsatz werde aus demselben Grund mit 460 bis 500 Millionen Euro rund 40 Millionen Euro höher ausfallen als bisher geplant, teilte Constantin mit.

Kirch-Erben wollen stärker mitmischen

Die Erben des Medienmoguls Leo Kirch hatten im April durchblicken lassen, dass sie bei Constantin stärker mitmischen wollen. Kirchs unternehmerischer Ziehsohn Dieter Hahn, der gemeinsam mit Kirchs Witwe Ruth grösster Aktionär ist, will nach der Hauptversammlung am 30. Juli Aufsichtsratschef werden. «Ich bin zuversichtlich, dass Constantin eine positive Entwicklung nehmen wird und bin gern bereit, mich dafür zu engagieren», hatte Hahn erklärt.

Um eine Unternehmensanleihe zurückzahlen, verhandelt Constantin nun nach Angaben mit Investoren über eine Kapitalerhöhung und über neue Darlehen. Das Grundkapital solle unter Ausschluss des Bezugsrechts der bisherigen Aktionäre um bis zu zehn Prozent erhöht werden. Der Ausgabepreis stehe noch nicht fest. Zum aktuellen Börsenkurs könnte Constantin mit gut zehn Millionen Euro rechnen. Zudem will Constantin zwei Darlehen über insgesamt 16 Millionen Euro aufnehmen, den grössten Teil davon in Schweizer Franken - der Währung des Landes, in dem seine wichtigste Tochter Highlight Communications sitzt.

(reuters/dbe/sim)