Bei Coop werden zurzeit entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt. Die Nachfolge von Hansueli Loosli steht auf dem Programm. 2011 zieht sich der umtriebige Coop-Chef auf den Präsidentenstuhl zurück. Doch vom Wahlprozedere dringt kaum etwas an die Öffentlichkeit. Auch intern schlägt die Auswahl keine Wellen. Denn Loosli wird auch in Zukunft der Genossenschaft in seiner neuen Rolle als aktiver Präsident wohl den Stempel aufdrücken.

Als Kronprinz für den Coop-Chefposten gilt der 44-jährige Philipp Wyss, Mitglied der Geschäftsleitung. Vor einem Jahr hat er von Loosli die Direktion Retail geerbt. Mit ihm Rennen um den Chefposten sei auch der 46-jährige Joos Sutter, heisst es inoffiziell bei Coop. Sutter ist seit diesem Jahr neues Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter der Direktion Trading. Beide Kandidaten sind schon seit Jahren bei Coop tätig und tragen den Stallgeruch der Genossenschaft. Fragt man die beiden an, winken sie ab: «Ich habe eine so schöne Aufgabe, was will ich mehr», erklärt Wyss.

Zum Wahlprozedere meint Irene Kaufmann, Präsidentin des Coop Verwaltungsrats: «Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Hansueli Loosli wird das Amt frühestens im Frühling 2011 antreten. Für die Rekrutierung haben wir einen Ausschuss gebildet, welcher die Gespräche mit den möglichen Kandidaten und Kandidatinnen führt. Es wird sowohl mit Coop-internen als auch mit Coop-externen Kandidaten und Kandidatinnen gesprochen.» Zum dreiköpfigen Rekrutierungsausschuss gehören Giusep Valaulta, Vizepräsident des VR, Hansueli Loosli und Irene Kaufmann. Abschliessend entscheiden wird der VR. Namen werden natürlich keine genannt. Extern wäre etwa Emmi-Chef Urs Riedener, Ex-Migros-Marketing-Leiter, ein valabler Coop-Chef.

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Kommunikationspanne verärgert

Der Basler Detailhändler ist 2010 gut unterwegs. «Ende April lagen wir ohne zusätzliche Verkaufsfläche bei einem Zuwachs von knapp 2%. Und die Minusteuerung betrug gut 2%», sagt Hansueli Loosli. Coop gewann dabei bis Ende April 0,4% Marktanteile. Ob dies auf Kosten der Nummer eins ist, bleibt unklar. Konkurrent Migros gibt nur Anfang Jahr und an der Bilanzmedienkonferenz handfeste Zahlen bekannt. «Wir sind mit der Umsatz- und Marktanteilsentwicklung zufrieden. Wir liegen auf Budget und sind auf Kurs», sagt Migros-Sprecherin Monica Glisenti. Migros-Chef Herbert Bolliger ging Ende März von einem Wachstum von 1% aus.

Migros sorgt dieses Jahr immer wieder für Aufsehen - kürzlich mit der Lancierung der Elektromobilität «M-way»: «Migros verkauft jetzt auch Autos», lautete die PR-induzierte Schlagzeile auf der Front der «SonntagsZeitung». Coop dagegen wirkt im Stillen und übernimmt ganz unprätentiös Body Shop Switzerland mit seinen 37 Läden.

Hinter der Schlagzeile zu Migros in der Sonntagspresse steckt aber eine «Kommunikationspanne», wie sich ein Top-Kader des Orangen Riesen ärgert, der seinen Namen nicht nennen will. Eigentlich wollte sich die Migros mit der Elektromobilität und nicht mit dem Verkauf von Autos profilieren.» Der Kadermann befürchtet zudem, dass Coop die Migros bald überflügeln könnte, indem sie Transgourmet voll konsolidiert. Coop betreibt zusammen mit dem deutschen Detailhandelsgiganten Rewe Transgourmet ein Joint Venture, an dem beide Partner mit 50% beteiligt sind. Das Gemeinschaftsunternehmen ist europaweit die Nummer zwei im Abhol- und Belieferungsgrosshandel und erzielte 2009 einen Umsatz von 5,8 Mrd Euro, laut Coop-Geschäftsbericht sind dies rund 8,7 Mrd Fr.

Coop auf der Überholspur

Wenn Coop wenig mehr als 50% von Transgourmet erwirbt und diese Beteiligung voll konsolidiert, würde Coop mit einem konsolidierten Umsatz von 27,4 Mrd Fr. zum grössten Schweizer Detailhändler und die Migros mit ihrem letztjährigen Umsatz von 24,95 Mrd Fr. klar überholen. Doch Coop gibt sich vorläufig noch bescheiden: «Die Coop-Gruppe ist ein langfristiges Joint Venture mit Rewe Group eingegangen. Wir haben nicht im Sinn, etwas zu ändern», sagt Coop-Chef Hansueli Loosli.

Kürzlich hat Coop eine Anleihe von rund 500 Mio Fr. herausgegeben. «Wir haben bei der guten Situation, was die Zinsen anbelangt, freie Liquiditätsreserve geschaffen», so Loosli. Wozu er die flüssigen Mittel in Zukunft genau brauchen wird, sagt er nicht. Um eine am 23. September fällige Anleihe zu kompensieren, wird sie jedenfalls nicht gebraucht. «Das bezahlen wir aus anderen vorhandenen flüssigen Reserven zurück», sagt Loosli. Es deutet viel darauf hin, dass Coop für einen weiteren Ausbau die Kasse füllt. Still und leise.