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Detailhandel
Coop und Migros betroffen von der OVS-Pleite

OVS
OVS-Fläche im Basler M Parc Dreispitz: Das Migros-Einkaufszentrum war einst die Schweizer Speerspitze der Italiener. Jetzt ist es vom schnellen OVS-Abschied betroffen.Quelle: Keystone

Der hastige OVS-Abzug trifft auch Migros und Coop. Er beschert ihren Shoppingcentern Leerstände.

Von Andreas Güntert und Bastian Heiniger
am 04.07.2018

Als OVS im März 2017 das Erbe von Charles Vögele antrat, erkoren die Italiener Basilea zum Schweizer Einfallstor. Der OVS-Laden im Einkaufszentrum M Parc Dreispitz, das der Genossenschaft Migros Basel gehört, war unter den ersten fünf Ex-Charles-Vögele-Läden, die das neue Kleid von OVS tragen durften. Facebook-Begrüssung damals: «OVS loves Basel

Fünfzehn Monate später lautet die Affiche anders: Die Schweiz hasst OVS. Capo Stefano Beraldo verabschiedete sich auf die harte Tour: 1150 Leute stehen ohne Job da, die Minderheitsaktionäre schäumen. Und vielen Shoppingcentern geht es so wie dem M­ Parc Dreispitz: Sie müssen Nachmieter finden für die leeren Flächen, die Signore Beraldo hinterlassen hat. «Wir sind mit verschiedenen potenziellen Nachmietern im Gespräch, um eine auf die Bedürfnisse der Kundschaft zugeschnittene Nachfolgelösung zu finden», meldet Migros Basel.

Das hastige Arrividerci von OVS

Leicht wird das nicht. Die OVS-Fläche im Dreispitz erstreckte sich über 1300 Quadratmeter – für Schweizer Verhältnisse eine sehr grosse Bühne. Nicht nur Migros spürt das hastige Arrivederci von OVS. Die Blutspur des Signore Beraldo erreicht sowohl Migros als auch Coop. Mehr als ein Drittel aller 192 Schweizer Einkaufszentren gehört Coop (40 Center) und ­Migros (41). OVS war ein wichtiger Mieter in den hiesigen 192 Einkaufstempeln, rund 55 der rund 140 Läden lagen in Shoppingcentern.

Coop verliert nach Berechnungen der «Handelszeitung» in ihren Einkaufszentren auf einen Schlag 11 OVS-Filialen als Mieter. Coop bestätigt zwar die Zahl, spielt aber die Bedeutung herunter: «Wir haben sehr viele Mieter und Verkaufsflächen in unseren 40 Einkaufszentren. Die frei werden Verkaufsflächen machen dabei einen kleinen Anteil aus», sagt Coop-Sprecherin Andrea Bergmann. Wie viele der Flächen bereits wieder vermietet sind, sagt sie nicht. Coop sei in engem Kontakt mit Interessenten.

Ähnlich die Situation beim Rivalen Migros. Hier gehen sogar 13 OVS-Filialen als Mieter verloren. Auch Migros wiegelt ab: «Mieterwechsel in einem Center kommen immer wieder vor», sagt Sprecher Luzi Weber. «Wir werden nun mit potenziellen Nachmietern Kontakt aufnehmen.» Ein Insider drückt die Lage dramatischer aus: «Die Nerven bei den Shoppingcenter-Abteilungen von Coop und Migros liegen blank.» Mit gutem Grund. Aufgrund des darbenden stationären Handels wird es schwieriger, ­gros­se Flächen zu vermieten.

OVS-Schock härter als Yendi-Schock

Schon einmal mussten die hiesigen Konsumtempel ein happiges Bye-bye verdauen. Als 2017 die Schweizer Fast-Fashion-Kette Yendi verendete, betraf das 60 Filialen in Einkaufszentren. Beraldos abrupter Rückzug trifft die Shoppingcenter härter, sagt Marcel Stoffel, Geschäftsleiter des Branchenverbands Swiss Council of Shopping Centers: «Der Fall OVS ist für die Shoppingcenter gravierender, weil diese Verkaufsflächen markant grösser sind als jene, die damals durch Yendi frei wurden.»

Zwar zeigen sich da und dort Händler wie etwa C&A, Otto’s und offenbar Dosenbach als potenzielle Nachmieter, doch im grossen Stile dürften sie den Centern nicht aus der Patsche helfen. Chicorée etwa übernimmt insgesamt 8 Filialen, wie Sprecher und Gründersohn Pascal Weber sagt. Infrage kämen kleinere Flächen bis zu 500 Quadratmetern. Laut Weber war es für OVS besonders schwierig, die grossen Flächen gut zu bewirtschaften und ein attraktives Warenbild zu präsentieren.

«Es gibt nur wenige Anbieter, die als Nachmieter für die grossen OVS-Flächen infrage kommen», sagt Stoffel. Auch das Allerweltsheilmittel von temporären Pop-up-Shops hilft nicht; erstens weil diese meist auf sehr kleinen Flächen funktionieren, anderseits weil Unterteilungen von bestehenden Flächen als sehr aufwendig und kostspielig in der Realisierung gelten.
Gemäss GfK Switzerland melden 54 der 192 Center Leerstände, 30 davon liefern eine konkrete Zahl: Sie haben im Schnitt 8,2 Prozent Lücken. Der eilige Abschied von OVS dürfte die Situation verschärfen. Und für eine neue Realität für Schweizer Shoppingcenter sorgen, sagt Stoffel: «Sie müssen lernen, mit Leerständen umzugehen, und müssen es schaffen, Umnutzungen zu realisieren.»

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