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Onlinehandel
Coops Aufholjagd im Onlinehandel

Siroop
Flasche leer?: Siroop kommt nicht so richtig in die Gänge. Quelle: Keystone .

Coop möchte Siroop mit Microspot zusammenlegen. Klingt nach einer Aufholjagd des Detailhändlers zu Migros mit Digitec und Galaxus.

Kommentar  
Von David Torcasso
am 13.04.2018

Coop möchte nun also selbst versuchen, im Schweizer Onlinehandel doch noch irgendwie Fuss zu fassen: Der Basler Detailhändler hat das Aktienpaket von 50 Prozent an der Onlineplattform Siroop der Swisscom abgekauft. Dazu soll das Online-Warenhaus mit dem Elektronikhändler Microspot zusammengelegt werden. Dieser ist ebenfalls im Besitz von Coop.

Diese Strategie erinnert an den grössten Onlinehändler der Schweiz: Digitec Galaxus, zu 70 Prozent im Besitz der Migros. Das Unternehmen wurde in den 2000er-Jahren mit Digitec im Onlinehandel von Elektronikartikeln gross – und hatte sich die Vorreiterrolle in der Schweiz gesichert. Mit der Lancierung von Galaxus hat das Unternehmen schliesslich noch alle anderen erdenklichen Artikel, die Herr und Frau Schweizer kaufen, dazugeholt. Möbel, Mode, Beauty – es gibt kaum ein Produkt, dass es auf Digitec Galaxus nicht zu kaufen gibt. Mittlerweile über 1,5 Millionen Stück. Letztes Jahr hat die Migros-Tochter 861 Millionen Franken erwirtschaftet. 

Siroop – 2015 hoffnungsvoll als «Schweizer Amazon» gelauncht – gibt sich hingegen spärlich mit Zahlen. Verständlich. Wie die Handelszeitung im Oktober letzten Jahres berichtete, schätzt das EHI Retail Institut aus Köln den Umsatz des Onlinehändles 2016 auf rund 25 Millionen Franken. Das ist etwa so viel wie eine Handvoll Interdiscount-Filialen im Jahr machen. Diese Verschwiegenheit passt so gar nicht zu den lauten Botschaften auf alle den Plakaten, die die Schweiz übersäten und den etlichen Werbespots. Trotzdem gibt sich der Onlinehändler kämpferisch und sagt: Wir wollen zuerst den Markt aufmischen. Der Gewinn kommt später. 

Eine einzige Online-Plattform für Coop?

Siroop ist aber zu klein, als das Coop den Markt mit diesem Player tatsächlich aufmischen könnte. Deshalb macht der Zusammenschluss mit Microspot Sinn. Immerhin liegt der Umsatz des Online-Elektronikhändlers bei rund 180 Millionen Franken. Damit war Microspot 2016 der siebtgrösste Onlinehändler der Schweiz. Dazu kommt auch das Online-Angebot von Interdiscount, das ungefähr 40 Millionen umsetzt, sowie die Onlinepräsenz von Fust.

Doch auch wenn Coop sich entscheiden würde, alle diese Angebote in einem einzigen Online-Shop zusammenzulegen, ist Digitec Galaxus um Längen voraus. Nicht nur im Umsatz, sondern auch in der Breite des Angebots und in der Usability. Und die Migros-Tochter wächst unaufhörlich – so schnell, dass der grösste Onlinehändler der Schweiz nun Deutschland ins Visier nimmt. Beim ewigen Duell der beiden Schweizer Detailhandelsriesen hat Migros online die Nase vorn. Siroop hat nicht so gezündet wie die Basler erwartet hatten. Bis anhin war Siroop eine eher klebrige Angelegenheit für Coop. 

Es geht aber nicht nur um die Aufholjagd zu Migros, sondern auch um alle anderen. Denn nicht nur Digitec Galaxus ist davongerannt. Es drängen neue Player im Rekordtempo auf den Schweizer Markt. Online-Giganten wie Amazon und Aliexpress dürften laut den neusten Schätzungen vom Beratungsunternehmen Oliver Wymann den Umsatz in der Schweiz bis in zwei Jahren verdoppeln. Amazon hat im vergangenen Jahr bereits über 600 Millionen Franken in der Schweiz erwirtschaftet, Aliexpress machte rund 150 Millionen Franken.

Eine kleine Hoffnung für Siroop besteht: Die Schweizer sind sehr E-Commerce-affin. 77 Prozent der Personen zwischen 16 und 74 Jahren haben in der Schweiz im vergangenen Jahr online bestellt. Damit liegt die Schweiz nach Grossbritannien und Dänemark auf Platz drei in Europa

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