Das Corona-Virus breitet sich immer weiter aus. Welche Schweizer Unternehmen leiden besonders stark unter dem Ausbruch des Krankheitserregers?
Besonders stark betroffen sind vor allem Unternehmen aus den Bereichen Tourismus und Luxusgüter. So leiden beispielsweise die Duty-Free Läden von Dufry und die Jungfraubahn darunter, dass Reisen eingeschränkt werden.

Swatch und Richemont erwirtschaften fast die Hälfte des Umsatzes in Asien. Wegen der Quarantänemassnahmen und der Angst vor dem Virus ist dort der Konsum gesunken. Hält die Epidemie länger an, sinken zudem die Einkommen der Bevölkerung und es werden weniger Luxusgüter gekauft.

Ganz allgemein sind Unternehmen in konjunktursensitiven Branchen wie z.B. Industrie und Banken vom drohenden Wirtschaftsabschwung überdurchschnittlich stark betroffen.

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Thomas Heller ist CIO und Leiter Research bei der Schwyzer Kantonalbank.

Quelle: ZVG
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VW, Toyota und GM waren letztes Jahr die weltweit grössten Autohersteller. Werfen wir einen Blick in die Kristallkugel: Werden Tesla und chinesische Hersteller diesen Schwergewichten die Spitzenplätze bis in zehn Jahren streitig machen?
Gerade Teslas beeindruckende Wachstumszahlen der letzten Jahre legen diesen Schluss zwar nahe. Und in Punkto Marktkapitalisierung ist das ja bereits heute der Fall, einige Investoren glauben also scheinbar daran. Aber das hohe Wachstum ist auch ein Resultat der bisher relativ geringen Grösse und wird abnehmen.

Generell wird der Automarkt des Jahres 2030 wohl weniger durch die heutigen Wachstumsraten einzelner Hersteller geprägt sein, als vielmehr durch eine Konsolidierung mit Übernahmen, Zusammenschlüssen sowie lockeren Kooperationen - auch mit den chinesischen Herstellern.

Dies ist bereits zu beobachten. Die anhaltend hohen Investitionen und die Überkapazitäten der Branche lassen den Herstellern auch kaum eine andere Wahl.

Bernie Sanders liegt in der Vorausscheidung der demokratischen Partei für das Duell mit Donald Trump um die US-Präsidentschaft vorne. Wie würden die Börsen reagieren, sollte Sanders tatsächlich zum Kandidaten der Demokraten werden?
Grundsätzlich gilt, dass je «linker» der demokratische Kandidat ist und je enger das Rennen mit Donald Trump auf dem Weg zur Wahl Anfang November verläuft, umso nervöser werden die Märkte reagieren.

Bernie Sanders ist einer dieser linken Kandidaten. Würde er der demokratische Präsidentschaftskandidat und hätte er gemäss Umfragen Chancen gegen Trump, so würden die Märkte wohl negativ reagieren. Insbesondere gewichtige Sektoren wie Pharma, Banken und Öl, aber auch die grossen Tech-Firmen könnten leiden.

WASHINGTON, DC - JANUARY 30:  Sen. Bernie Sanders (I-VT) speaks during a press conference at the U.S. Capitol January 30, 2019 in Washington, DC. Sanders and other members of the U.S. Senate and House of Representatives called for the reintroduction of a resolution “to end U.S. support for the Saudi-led war in Yemen” during the press conference. Also pictured is Sen. Chris Murphy (D-CT). (Photo by Win McNamee/Getty Images)

Bernie Sanders: Der US-Senator will Präsident Donald Trump im Herbst herausfordern.

Quelle: 2019 Getty Images
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Mehrere EU-Länder führen Digitalsteuern ein, die vor allem US-Internetkonzerne wie Facebook oder Google treffen – und riskieren dadurch einen Konflikt mit den USA. Droht nach dem Schlagabtausch USA-China nun ein Handelskonflikt zwischen den USA und Europa?
Die ungelösten Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und Europa - nicht spezifisch wegen der Digitalsteuer, die wird wohl zu einem späteren Zeitpunkt auf OECD-Ebene geregelt - standen im Schatten des Konflikts der USA mit China.

Es gab eine Art Waffenstillstandsabkommen. Nachdem nun China und die USA einen ersten Vertrag unterschrieben haben, wird der Fokus der USA bestimmt auf Europa gerichtet. Die Frage ist nur wann?

Ich bin mir nicht sicher, ob Trump vor den Wahlen eine neue Flanke öffnen will. Derzeit scheint er es auch mit der Fortsetzung der Verhandlungen mit China nicht besonders eilig zu haben - entgegen ursprünglichen Verlautbarungen.

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Und was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte sonst noch?
Keine Frage: Ganz klar das Coronavirus. Die Marktreaktionen auf die Epidemie waren bis vor gut einer Woche zweigeteilt. Einerseits hatten sichere Häfen wie Staatsanleihen und Gold deutlich zugelegt und damit ein ernsthafteres Problem unterstellt.

Andererseits waren die Aktienmärkte ausserhalb des Raumes China und Umgebung zwar volatil, hatten aber noch vergangene Woche neue Höchststände erklommen. Nachdem jüngst immer mehr Ansteckungs- und Todesfälle ausserhalb Chinas - etwa in Südkorea und Italien - bekanntgeworden sind, zeigen sich nun auch die Aktienmärkte besorgt über die möglichen Folgen der Epidemie.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Coronaepidemie stellt einiges in Frage. Es braucht wenig Fantasie, um ein düsteres Szenario zu skizzieren, in welchem über verschiedene Transmissionsmechanismen (z. B. verringerte Reisetätigkeit, beeinträchtigte Lieferketten, ausgefallene Arbeitsstunden) die globale Konjunktur und in der Folge die Märkte erheblich belastet werden.

Letztlich hängt vieles davon ab, wie rasch die Virus-Verbreitung eingedämmt werden kann. Es gibt keine gesicherten Prognosen zur zeitlichen Dimension. Wir wissen schlicht nicht, wie lange das Ganze noch dauert. Die Unsicherheit wird wohl noch eine Weile anhalten. Ohne klare Indizien, dass die Eindämmung gelungen ist, rechne ich nicht mit einer raschen Erholung an den Aktienmärkten.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Das Umfeld für Aktien ist - oder eben war - im Grunde gut. Die Konjunkturabschwächung scheint - oder schien? - die Talsohle erreicht zu haben, politische Risiken haben etwas an Brisanz verloren und die Geldpolitik bleibt expansiv.

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Unter der Annahme, dass das Coronavirus unter Kontrolle gebracht werden kann und es danach zu «Nachholeffekten» kommt, rechne ich damit, dass sich der SMI innert Jahresfrist gegen 10'800 Punkte erholen kann. Gelingt die Eindämmung nicht oder erst spät, sind die Aussichten entsprechend weniger rosig.

Das Interview wurde schriftlich geführt.