Ein Chronometer definiert sich aktuell – in knappsten Worten – als Präzisionsuhr, die in verschiedenen Lagen sowie bei unterschiedlichen Temperaturen so reguliert wurde, dass sie nach einem 15-tägigen Dauertest ein offizielles Gangzeugnis erhalten hat. Ergo sieht man die amtlich testierte Präzision auf den ersten Blick weder dem Uhrwerk noch dem gesamten Zeitmesser an.

Auf den kleinen, aber keineswegs marginalen Unterschied weist in der Regel nur ein dezenter Zifferblattaufdruck hin. Insider wissen, dass Chronometer-Kaliber zwangsläufig eine Identifikationsnummer tragen müssen. Standardwerke, die sich optisch nicht von den zertifizierten Pendants unterscheiden, kommen vielfach ohne diese aus. Zusätzlicher Aufwand in Form höherwertiger Komponenten, beispielsweise Unruhen und Unruhspiralen, blüht eher im Verborgenen.

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Die wichtige Rolle der Regleure

Zudem kommt den Regleuren eine besonders hohe Bedeutung zu. Unter Einbeziehung modernster Elektronik müssen sie den angehenden Chronometern jenen Grad an Ganggenauigkeit verpassen, der dem strengen Prüfprozedere standhält. Sonst kann man sich den Versand zur Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres, kurz COSC genannt, schlichtweg sparen. Von dort kommt das Uhrwerk nur als Verlierer zurück, begleitet von der Rechnung für eine erfolglose Prüfung ...
Dem Faktum, dass eine hohe Ganggenauigkeit das A & O jedes Chronometers ist, trug die Schweizer Gesellschaft für Chronometrie bereits 1925 Rechnung. Knapp hiess es: «Ein Chronometer ist eine Uhr, welche einen Gangschein eines astronomischen Observatoriums erhalten hat.»

Obwohl der gebürtige Deutsche Hans Wilsdorf und seine Firma Rolex schon ab 1910 regelmässig demonstrierten, dass es kleine Armbanduhren bei sehr sorgfältiger Reglage durchaus mit Taschenuhren und sogar Marine-chronometern aufnehmen können, verlangten die geringeren Werksdimensionen nach einer Adaption der Prüfkriterien und Grenzwerte.

Institutionelle Prüfung seit 1973

1967 stellten die eidgenössischen Observatorien in Genf und Neuenburg ihre jahrzehntelangen Chronometerprüfungen ein. In ihre Fussstapfen traten sieben amtliche Schweizer Prüfbüros. Diese Institutionen gingen 1973 in besagter COSC mit Sitz in La Chaux-de-Fonds sowie drei Aussenstellen in Biel, Le Locle und Genf auf. Sie entscheidet ohne Wenn und Aber, ob sich ihrer Kontrolle anvertraute Uhrwerke am Ende Chronometer nennen dürfen. Rein rechtlich besitzt die COSC den Status eines Vereins unter der Obhut der fünf Kantone Bern, Solothurn, Neuenburg, Waadt und Genf. Im Verwaltungsrat verfügen deren zehn Vertreter eine Mehrheit gegenüber neun Mandatsträgern aus den Reihen der Uhrenindustrie.

Weil die Zeit niemals stehen bleibt, gab es im Laufe der Jahre mehrfache Änderungen bei den Reglements für die Erteilung
des imageträchtigen Titels. Sie äusserten sich in Form verschärfender Anpassungen der massgeblichen Grenzwerte an die technischen Fortschritte.

Gegenwärtig sieht das Reglement für mechanische Chronometer zwei Kategorien vor: Werke mit einem Durchmesser von 20 mm oder mehr und solche darunter; diese haben etwas geringere Ansprüche an die Ganggenauigkeit.

«Antrittsverlesen» wie im Militär

Die Akzeptanz von Uhrwerken verlangt zwingend nach dem Swiss Made sowie der Einlieferung der Probanden in transparenten Kunststoff-Schalen, ausgestattet mit speziellem Prüfzifferblatt, genormtem Sekundenzeiger und Einheitskronen. Automatik-Schwungmassen sind unzulässig. Zur Prüfung, die gemäss CH Norm SN/ISO 3159 abläuft, werden die Kandidaten in militärischer Aufstellung auf grossen Prüfplatten montiert.

Nach dem ersten Aufziehen der Werke per Elektromotor geht alles routiniert gemäss «Schema F» über die Bühne:

Bei 23 Grad Celsius verbringt das Werk 24 Stunden in senkrechter Position mit der Krone auf der linken Seite. Es folgen eine Kontrollmessung, maschineller Aufzug, nochmals 24 Stunden mit der Krone links, erneute Kontrollmessung. Nach erneutem maschinellem Aufzug stehen jeweils zwei Tage in den Positionen Krone oben, Krone unten sowie in Flachlage mit dem Zifferblatt oben und unten auf dem Programm. Zudem müssen sich die Uhrwerke auch noch bei Temperaturen von 8 Grad sowie 38 Grad Celsius beweisen.

Bei Chronographen (Stoppuhren) ist zusätzlich von Interesse, ob die während der letzten 24 Stunden zugeschaltete Stoppfunktion das Gangverhalten beeinflusst.

Richtzeit tickt in Braunschweig

Zur Bewältigung des täglichen Pensums von 10000 bis 15000 Werken arbeitet die COSC mit Computern. Eine Spezialkamera erfasst pro Stunde bis zu 3600 Werke. Die Werte wandern in Rechner, die sie erbarmungslos mit der cäsiumgesteuerten Radiozeit aus Braunschweig vergleichen. Alle Daten wandern in einen elektronischen Speicher, sodass die Erfolgreichen, bei denen sich unter anderem der mittlere tägliche Gang zwischen maximal –4 bis + 6 Sekunden bewegte, am Ende relativ schnell feststehen. Die solcherart ermittelten Gangleistungen sind reine Momentaufnahmen. Bereits beim Einschalen der Werke können sie sich verändern.

wwww.cosc.ch