«Das Problem ist nicht der Kapitän, sondern die Entwicklung in der Passagier-Schiffahrt», antwortet Peter Irminger in einem Interview mit dem «Sonntag» auf die Frage, ob der Kapitän der Costa Concordia die alleinige Schuld am Unglück trage. Irminger ist Managing Director der Hamburger Firma ZASS International und rechnet damit, dass er Opfer des Unglücks vertreten werde. «Das Klagevolumen wird sicher zwischen 20 und 120 Millionen Dollar betragen.»

Der ehemalige Kapitän und Hochschul-Professor bezeichnet das Kreuzfahrtwesen als knallhartes Geschäft - «es besteht ein unglaublicher Konkurrenzdruck». Entsprechend müsse das Programm für Passagiere möglichst spektakulär gestaltet werden. «Da ist es nicht unüblich, dass man, um die Passagiere zu unterhalten, Risiken eingeht.»

Irminger wehrt sich gegen eine Vorverurteilung des Kapitäns Francesco Schettino. «Er ist jetzt in einer absoluten Zwangslage: Die Reederei stellt ihn als Sündenbock dar und versucht, ihm die ganze Schuld zuzuschieben. Er kann dem nicht widersprechen, damit er es sich mit seinem Arbeitgeber nicht verscherzt. Der Kapitän der «Costa Concordia» ist jetzt ganz allein. Er tut mir, ehrlich gesagt, richtig leid.»

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Grössenwahn stösst an Grenzen

Die Entwicklungen in der Schiffahrtsbranche bereiten Irminger Sorge: Beim Grössenwahn ging es nur noch darum, mehr Aufbau und weniger Tiefgang zu haben. «Damit können die Schiffe näher an die Objekte heran und leichter in Häfen fahren.»

Recherchen von «Handelszeitung Online» zeigten bereits vergangene Woche, dass diesbezüglich laut Aussagen einer Sprecherin des deutschen Havariekommandos in Cuxhaven ein Umdenken eingeleitet worden sein könnte. Möglich sei, dass es eine Obergrenze der Kapazität der Schiffe geben könnte.

An Bord der Costa Concordia befanden sich 4200 Passagiere. Das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt, die Oasis of the Seas bietet Platz für 6000 Passagiere.

(vst)