Zweieinhalb Jahre nach dem Unglück der Costa Concordia vor der Insel Giglio mit 32 Todesopfern beginnt am Montag die letzte Phase der spektakulären Bergung des Schiffes. Der nach seinem Kentern inzwischen wieder aufgerichtete Luxusliner wird am Montag für den Abtransport zum Hafen von Genua vorbereitet.

Der Operationsstart hängt von den Wetterbedingungen ab, da das Wrack keine Wellen höher als 2,6 Meter aushalten kann. Die Umweltschutzbehörde muss noch ihre letzte Zustimmung erteilen, was erst am Tag vor Beginn des Abtransports erfolgen wird, teilten die Reederei Costa Crociere, Betreiberin des Kreuzfahrtschiffs, und der italienische Zivilschutz mit.

Komplizierter Abtransport

Der Abtransport wird voraussichtlich vier Tage dauern. 280 Kilometer liegen zwischen der Insel Giglio und Genua, wo das Schiff verschrottet werden soll. Die Strecke soll mit einer Geschwindigkeit von zwei Knoten - das entspricht ungefähr 3,7 Kilometern pro Stunde - zurückgelegt werden, wie die Tageszeitung «La Stampa» am Donnerstag berichtete.

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Die Abschleppung wird vom italo-amerikanischen Konsortium Micoperi-Titan durchgeführt. Sie erfolgt zehn Monate nach der spektakulären Aufrichtung des Schiffes und stellt eine gigantische Herausforderung dar. Noch nie war ein so schweres Schiff so weit geschleppt worden. Die Costa Concordia wiegt leer so viel wie 100 Jumbojets.

Zehn Schiffe im Einsatz

Für den Transport wurden 30 schwimmende Behälter am Rumpf des Schiffes angebracht, welche die Costa Concordia an der Wasseroberfläche halten sollen. Das Schiff musste um zwölf Meter angehoben werden, damit sie für den Transport nach Genua flott ist.

Beim Abtransport werden an die 350 Fachleute rund um die Uhr im Einsatz sein. Zehn Schiffe werden die Costa Concordia nach Genua eskortieren. Zwei werden die Costa Concordia ziehen, zwei weitere stehen für etwaige Notfälle zur Verfügung. Die weiteren Schiffe halten sich zum Einsatz bereit, sollte es zu umweltgefährdenden Zwischenfällen kommen.

1,5 Milliarden Euro

Costa Crociere muss für die Bergung nach eigenen Angaben mindestens 1,5 Milliarden Euro aufbringen. Das Unglück habe fast das Ende des Kreuzfahrtunternehmens bedeutet, gab der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Michael Thamm, zu. Das Verschrotten soll Schätzungen zufolge etwa 100 Millionen Euro kosten, 100 Arbeiter werden damit in Genua ein Jahr lang beschäftigt sein.

Umweltschützer sorgen sich, dass beim Abschleppen des Wracks kontaminiertes Wasser ins Meer gelangen könnte, was das Meeresschutzgebiet vor der Küste von Giglio beschädigen würde.

Abwrackung in Genua umstritten

Dies wurde jedoch vom italienischen Umweltminister Gianluca Galletti bestritten. Auf Anfrage versicherte er, dass alle Bedingungen für einen sicheren Transport nach Genua gegeben seien. «Ich werde wie ein Polizist darüber wachen, dass die Abschleppung der Costa Concordia die Umwelt nicht belastet», versicherte der Minister.

Um die Abwrackung des Schiffs hatte der Hafen von Genua mit dem näher an Giglio gelegenen Hafen der toskanischen Stadt Piombino konkurriert. Der Regionalpräsident der Toskana, Enrico Rossi, hatte mit Blick auf den weiten Transport nach Genua vor der höheren Umweltbelastung gewarnt.

Costa Crociere und die italienische Regierung hatten jedoch argumentiert, im Hafen von Piombino wären die technischen Vorbereitungen für die Aufnahme des riesigen Kreuzfahrtschiffes frühestens im September abgeschlossen gewesen.

Schettino erwartet sein Urteil

Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Januar 2012 mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf Grund gelaufen. Die Reederei Costa Crociere, die zum US-Kreuzfahrtriesen Carnival gehört, hat ihre Mitverantwortung eingestanden, da mehrere Angestellte des Unternehmens für die Havarie verantwortlich gemacht werden.

Kapitän Francesco Schettino verliess das riesige Kreuzfahrtschiff per Rettungsboot und kehrte trotz mehrfacher Aufforderung der Hafenbehörde nicht an Bord zurück, obwohl die meisten Passagiere noch festsassen. Er steht derzeit in der toskanischen Stadt Grosseto vor Gericht. Mit einem Urteil im Prozess wird in den kommenden Monaten gerechnet.

(sda/gku)