Die Havarie des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» trifft auch Munich Re. Die Belastung beim weltgrössten Rückversicherer belaufe sich voraussichtlich auf einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag, teilte der Konzern in München mit. Für welche Summe die Munich Re tatsächlich geradestehen muss, ist noch offen: Neben den Kosten für das Schiff selbst könnten Haftpflichtansprüche der Passagiere und ihrer Hinterbliebenen, die Bergung des Wracks und mögliche Umweltschäden zu höheren Forderungen führen. Andere Versicherer wagen noch keine Schätzung.

Bei der Swiss Re laufen nach wie vor Abklärungen, ob der Schweizer Rückversicherer überhaupt betroffen sei, hiess es auf Anfrage von «Handelszeitung Online».

Die Munich-Re-Aktie reagierte zunächst mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Am Nachmittag rutschte das Papier jedoch mit 0,20 Prozent ins Minus auf 95,33 Euro und lag damit im Mittelfeld des Dax.

Auch Hannover Rück rechnet mit Grossschaden

Die «Costa Concordia», die zum weltgrössten Kreuzfahrtkonzern Carnival gehört, war am Freitag vor der italienischen Insel Giglio nach der Kollision mit einem Felsen gekentert. Mindestens elf Menschen verloren dabei ihr Leben, mehr als 20 werden noch vermisst. Die Bergung des Schiffes dürfte nach bisherigen Angaben mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Zur möglichen Höhe des Gesamtschadens machte die Munich Re wie schon andere Versicherer keine Angaben. Medienberichten zufolge könnte der Schaden leicht über eine halbe Milliarde Euro klettern.

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Eine Munich-Re-Sprecherin wies darauf hin, dass beim Bergen sowie beim Abpumpen des Treibstoffs etwas schiefgehen könnte. So könnte austretendes Öl zu einer Umweltkatastrophe führen. Zudem ist offen, wie viele der vermissten Passagiere noch leben. Hinterbliebene könnten hier Anspruch auf Entschädigung haben. Die Munich-Re-Sprecherin betonte, die daraus zu erwartende Belastung für den Konzern sei in der genannten Schadenschätzung bereits berücksichtigt.

Der weltweit drittgrösste Rückversicherer Hannover Rück, der einen Teil der Risiken übernommen hat, konnte seine Belastung am Mittwoch noch nicht näher beziffern. Er rechnet für sich mit einem Grossschaden, was zumindest einer zweistelligen Millionensumme entspricht.

Was wird aus dem Wrack?

Europas grösster Versicherer Allianz muss als Mitglied eines Versicherungskonsortiums für die Folgen des Unfalls mit geradestehen. Zur möglichen Höhe wollte eine Sprecherin noch keine Angaben machen. Ein grosser Brocken ist aus heutiger Sicht schon das Schiff selbst, das vor sechs Jahren neu 450 Millionen Euro gekostet hatte.

Von dem Schaden muss die Reederei nach eigener Darstellung 30 Millionen US-Dollar selbst tragen. Der Schaden für die Versicherer werde vor allem davon abhängen, «ob es gelingt, das Schiff wieder flott zu machen und zu reparieren oder ob das Wrack im schlimmsten Fall vor Ort in seine Einzelteile zerlegt werden muss», sagte Manager Volker Bergeest und Experte für die Schiffsversicherung bei der Allianz.

(chb/vst/tno/awp)