Die Befürchtungen sind nun zumindest teilweise doch in die Realität übergegangen: Die im letzten Jahr eingeführte FedEx-Cup-Finalserie in den USA gräbt den europäischen Turnieren das Wasser ab. Die Veranstalter der Turniere im Rahmen der PGA European Tour von Mitte August bis Ende September können weitestgehend nur auf jene Spieler bauen, die ohnehin jahraus, jahrein in Europa spielen.

Omega allein kanns nicht richten

Selbst der auch ausserhalb des Golfs im Weltsport stark engagierte Bieler Uhrenhersteller Omega kann nicht nach Belieben über die Top-Golfer verfügen, die er als Werbebotschafter bezahlt und beschäftigt. Von 2002 bis 2006 haben jedes Jahr Ernie Els (Sieger 2003) oder Sergio Garcia (Sieger 2005) oder gleich beide im Wallis ihre Aufwartung gemacht. Sie beide, die zu den sechs zugkräftigsten Golfern der Gegenwart zu zählen sind, weilen nunmehr im Spätsommer in den USA, wie sie es schon vor einem Jahr taten. In der über vier Turniere führenden Finalserie des FedEx-Cups werden 28 Mio Dollar an Preisgeld und überdies 35 Mio Dollar an Bonusprämien ausgeschüttet. Von diesem Geldregen lassen sich die Millionäre unter den Golfprofis gerne «duschen».

Drei Namen als Zugpferde

Vor diesem Hintergrund – die US PGA Tour nimmt eine zunehmend dominierende Stellung ein – holen die Veranstalter des beliebten Schweizer Golf-Highlights aus der gegebenen Situation das Beste heraus. Sie bringen jene Spieler aufs Walliser Hochplateau, die einerseits einen klangvollen Namen und anderseits auch sportlich etwas zu bieten haben: Lee Westwood, Robert Karlsson sowie Miguel Angel Jimenez.

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McDowell gilt als Geheimtipp

Die Kenner der Szene werden auch die Anwesenheit von Graeme McDowell zu schätzen wissen. Der 32-jährige Nordire schleicht sich auf leisen Sohlen an die Weltspitze heran. Er gewann in dieser Saison im Rahmen der Europa-Tour auf Jeju Island (Südkorea) und das renommierte Scottish Open im Juli in Loch Lomond. Sowohl am British Open (19. im Schlussklassement) als auch an der US PGA Championship (15.) hielt er sich lange Zeit unter den Besten.

McDowell könnte durchaus einen ähnlichen Weg einschlagen wie der acht Jahre ältere Ire Padraig Harrington, der sich als nunmehr dreifacher Grand-Slam-Turniersieger (British Open 2007, British Open 2008, US PGA Championship 2008) in die absolute Elite gespielt hat. Drei Majorturnier-Erfolge in sechs Anläufen – auf eine solche Dichte an Triumphen bringt es üblicherweise nur Tiger Woods.

Rory McIlroy ist ein Name, den man sich ebenfalls merken muss. Auch er wird in Crans-Montana zu sehen sein. Der 19-jährige Nordire gilt als Wunderkind des Golfsports schlechthin. Als er im September 2007 zu den Professionals übertrat, wies er als Amateur das unglaubliche Handicap von plus 6,0 vor. Dies war der beste jemals in Europa registrierte Wert. Sergio Garcia hatte es als Inhaber des alten Rekords Ende der 90er Jahre vor seinem Wechsel zu den Profis «nur» auf 5,6 gebracht. McIlroy stieg dermassen kometenhaft auf, dass er früh das Interesse von Vermarktern auf sich zog. Er war dank lukrativen Verträgen schon vor seinem ersten Abschlag als Profi Millionär. Im kleinen Rest der Saison 2007 brachte er es in nur gerade vier Turnieren auf ein Preisgeld von 277000 Euro und unter die ersten 100 des Europa-Rankings.

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In der laufenden Saison ist hingegen etwas Sand ins Getriebe geraten: McIlroy musste sich in 18 Turnierstarts bis Anfang August mit zwei Top-10- und sechs Top-25-Klassierungen zufrieden geben. Dennoch zweifeln die Fachleute nicht daran, dass der Nordire mit dem Gesicht eines scheuen Konfirmanden eher früher als später einer der weltweit dominierenden Golfer sein wird.

Nach dem Stand von Anfang August war für Turnierdirektor Yves Mittaz klar, dass der amerikanische Circuit noch mindestens einen Spieler für das European Masters abwerfen sollte. Innerhalb der FedEx-Cup-Finalserie wird das Feld von Runde zu Runde von anfänglich 144 auf zuletzt 30 Spieler verkleinert. Da können bekannte Golfer, auch ehemalige Majorturnier-Sieger, kurzfristig frei werden.

Schweizer in der Statistenrolle

So oder so werden die Fans am Walliser Turnier auch in diesem Jahr auf ihre Rechnung kommen. Auch – so die Hoffnungen – mit den eigenen Spielern: Raphaël De Sousa, Julien Clément (siehe unten) und Routinier André Bossert haben auf der Challenge Tour überzeugt.

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