An der Generalversammlung der Credit Suisse haben die Anwesenden alle Vergütungsanträge des Verwaltungsrats abgenickt. Den tiefsten Ja-Stimmenanteil gab es bei den variablen Vergütungen der Geschäftsleitung.

Dieses Traktandum vereinigte nur 81,5 Prozent der Stimmen auf sich. Die Abstimmungen zu den fixen Salären der Geschäftsleitung (Ja: 85,1 Prozent), der langfristigen variablen Vergütungselementen (Ja: 82,9 Prozent) und der Vergütung des Verwaltungsrates (Ja: 83,3 Prozent) erhielten am Freitag höhere Zustimmung.

Heftig umstritten

Die Vergütungen des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung waren im Vorfeld der Abstimmungen heftig umstritten. Dies vor allem, weil die Grossbank im letzten Jahr einen Milliardenverlust eingefahren hat.

Ebenfalls Widerstand gab es gegen eine Zahlung an den neuen CS-Chef Tidjane Thiam, der für seinen Wechsel zur Grossbank mit über 14,3 Millionen Franken entschädigt wurde.

Alle Verwaltungsräte gewählt

Bei der Wahl des Verwaltungsrats gab es keine Überraschungen: Die bisherigen Mitglieder wurden bestätigt, und die neu vorgeschlagenen Verwaltungsräte wurden mit grossem Mehr gewählt.

Auch bei diesem Traktandum hatte es im Vorfeld kritische Stimmen gegeben. So empfahl die Aktionärsvertretung Actares den Aktionären, weder Urs Rohner noch die neu vorgeschlagenen Alexander Gut –  der Sohn des CS-Übervaters Rainer Gut – und Joaquin Ribeiro zu wählen.  Bei Rohner machte Actares zu geringe Leistung aus. Die beiden anderen Kandidaten lehnte der Aktionärsvertreter wegen dem seiner Ansicht nach zu tiefen Frauenanteil im CS-Verwaltungsrat ab.

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Hohe Löhne beschäftigen CS-Aktionäre

An der Generalversammlung der Credit Suisse im Hallenstadion in Zürich waren 1600 Aktionäre anwesend. Die meisten davon sind Kleinaktionäre. Viele von ihnen ergriffen die Gelegenheit, ihre Meinung auch denen da oben mal kund zu tun.

Wenig überraschend beschäftigte die Kleinaktionäre die Entschädigungen des Managements. So sprach zum Beispiel Aktionär Richard Fischer in Anbetracht der Millionensaläre von «Raubrittertum». Ernst Schmid hielt die Löhne für absolut vermessen. «Wenn man den Vergütungsbericht anschaut, kommt Ärger auf», sagte er und bezichtigte die Credit Suisse mit diesen Salären einen Starkult zu fördern.

Anlagepolitik im Visier

Kritik musste die Grossbank jedoch auch für ihre Anlagepolitik einstecken. Mehrere Aktionäre monierten, dass die Credit Suisse nach wie vor stark in der Erdölbranche investiert ist. Es gab aber auch Lob. «Das beste an der Credit Suisse ist jeweils der Christbaum am Paradeplatz», sagte CS-Aktionär Hermann Struchen.

Struchen tadelte aber auch. Wie die Aktionärin Ingeborg Ginsberg enervierte er sich über den tiefen Aktienkurs. Die Aktie sei einmal bei 96 Franken gestanden. «Ich bin mit Rohner erst wieder zufrieden, wenn der Kurs wieder da steht», sagte der 86-Jährige. Ginsberg, die mit 94 Jahren ebenfalls zu den älteren Aktionären gehörte, wies darauf hin, dass einige aus ihrer Generation auf vieles verzichtet hätten, um Aktien zu kaufen. Jetzt seien diese jedoch nur noch ein Bruchteil wert.

 

 

(sda/chb/mbü)